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Air Berlin vor dem Umbau : Prock-Schauer erwägt neuen Stellenabbau

Mit Verspätung hat Air Berlin das Geschäftsjahr 2013 abgeschlossen - mit einem dicken Minus. Großaktionär Etihad muss wieder helfen. Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer will nun (wieder einmal) alles anders machen

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Unklarer Kurs. Bei Air Berlin stehen schon wieder Reformen an.
Unklarer Kurs. Bei Air Berlin stehen schon wieder Reformen an.Foto: picture alliance / dpa

Nach dem Umbau ist vor dem Umbau. Kaum hat Air Berlin sein Sanierungsprogramm „Turbine“ abgeschlossen, startet die Fluggesellschaft das nächste „tiefgreifende Restrukturierungsprogramm“, wie Unternehmenschef Wolfgang Prock-Schauer am Montag ankündigte, um das Unternehmen „nachhaltig in die Gewinnzone“ zurückzuführen. Dazu beruft Air Berlin Marco Ciomperlik in den Vorstand, der den Unternehmensumbau verantworten soll. Zusätzlich will Air Berlin eine Unternehmensberatung beauftragen, die sich mit Sanierungsfragen auskennt. Dass der neuerliche Umbau wiederum Arbeitsplätze kosten wird, wollte Prock-Schauer nicht ausschließen. Derzeit baut Air Berlin gerade gut jede zehnte Vollzeitstelle, insgesamt rund 600 Arbeitsplätze, ab.

Finanziell hat sich Air Berlin Luft verschafft. Zum einen hat der Hauptaktionär Etihad Airways eine Wandelanleihe in Höhe von 300 Millionen Euro gezeichnet. Die Anleihe ist nachrangig, läuft unbegrenzt und kann sowohl in bar als auch in Aktien bedient werden. Etihad wird sie in drei Tranchen über das Jahr verteilt auszahlen. Nach Angaben von Finanzchef Ulf Hüttmeyer wird sie nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften als Eigenkapital verbucht. Das ist insofern wichtig, als das Eigenkapital von Air Berlin zuletzt negativ war (minus 186 Millionen Euro).

Das Problem ist, dass Etihad nicht mehr im großen Stil weitere Anteile an Air Berlin kaufen kann. Die Staatsfluglinie der Arabischen Emirate besitzt bereits 29,2 Prozent. Da Air Berlin noch weitere ausländische Gesellschafter hat – darunter die türkische Esas Holding (zwölf Prozent) – nähert sich der Anteil von Nicht-EU-Aktionären der Schwelle von 49 Prozent. Ist eine Fluggesellschaft zu mehr als 50 Prozent in Hand von Eigentümern außerhalb der EU, verliert sie Landerechte und andere Privilegien. Daher hatte die EU-Kommission zuletzt eine gründliche Prüfung der Eigentumsverhältnisse bei Air Berlin angekündigt.

Neben den 300 Millionen über die Etihad-Anleihe will Air Berlin eine Anleihe in Höhe von 150 Millionen Euro am Kapitalmarkt platzieren. Darüber hinaus wird den Investoren der 2014 und 2015 fällig werdenden Anleihen angeboten, ihre bestehenden Anleihen zu Vorzugsbedingungen in neue Anleihen mit einer Fälligkeit in 2019 einzutauschen. Air Berlin reduziere auf diese Weise Schulden, verschaffe sich Liquidität und verbessere seine Kapitalstruktur, sagte Prock-Schauer. Mit diesem Vorgehen – ohne Wechsel in der Aktionärsstruktur, der von Air Berlin in Aussicht gestellt worden war, scheint die Gesellschaft nun europarechtlich auf der sicheren Seite.

Das Unternehmen ist im vergangenen Jahr wieder tief in die roten Zahlen geflogen, es schloss das Geschäftsjahr 2013 mit einem operativen Verlust von 231,9 Millionen Euro ab, unter dem Strich stand ein Minus von 315,5 Millionen Euro. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 4,15 Milliarden Euro zurück, allerdings hatte Air Berlin auch das Angebot um 5,1 Prozent reduziert. In fast gleich starkem Umfang verbesserte sich die Auslastung auf nun 84,8 Prozent im Jahresschnitt.

Die Nettoverschuldung lag Ende des Jahres bei 796 Millionen Euro. Prock-Schauer nannte 2013 ein „herausforderndes Jahr“. Die Bekanntgabe der Geschäftszahlen hatte das Unternehmen immer wieder verschoben – bis jetzt das frische Geld von Etihad kam.

Air Berlin ist derzeit auf vier Geschäftsfeldern unterwegs: Im Tourismusmarkt, als Billiganbieter, im Langstreckenverkehr und als Zubringer für das Flugnetz von Etihad. Alle Geschäftsfelder seien wertvoll, sagte Prock-Schauer. Es gebe heute keine klar abzugrenzenden Geschäftsmodelle mehr. Jede Fluggesellschaft müsse einen individuellen Weg finden. In welche Richtung sich Air Berlin bewegen will – auch das wolle er mit der neuen Strategieberatung klären.

Dass der Großflughafen BER nicht wie geplant fertig ist, schade Air Berlin, sagte Prock-Schauer. „Ich gehe davon aus, dass wir noch etwa zwei Jahre in Tegel weiter operieren müssen“. Der neue Flughafen werde voraussichtlich 2016 fertig, „Es kann auch etwas später sein“. Air Berlin beförderte im vergangenen Jahr insgesamt 31,5 Millionen Gäste, 9,1 Millionen davon über Berlin-Tegel. Dort steigt jeder vierte Gast um – ein Indiz dafür, dass Tegel zumindest im Ansatz die Funktion eines Drehkreuzes erfüllt, die der BER noch stärker erfüllen sollte.


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