Airbnb nach Kuba : Ferienwohnung in Havanna

Die US-Wirtschaft bereitet sich auf fallende Handelsschranken zwischen Kuba und den USA vor. Bis dahin kann es allerdings noch lange dauern. Der Bettenvermittler Airbnb prescht schon mal voran.

Hannes Breustedt
Zimmer frei? Fast 500 000 Kubaner sind inzwischen als Freiberufler anerkannt und könnten auch Zimmer oder Wohnungen an Touristen vermieten.
Foto: picture-alliance/dpa

Das Mitwohnportal Airbnb will von der Annäherung zwischen Washington und Havanna profitieren und vermittelt als erstes US-Unternehmen Ferienunterkünfte in Kuba. Ab sofort seien für US-Touristen mit Reisegenehmigung mehr als 1000 Apartments gelistet, teilte die Firma am Donnerstag mit. Mehr als 50 Jahre war das sozialistische Kuba für die meisten Amerikaner außer Reichweite, doch unter US-Präsident Barack Obama wurden die Reisebedingungen gelockert. Seine Regierung vollzog Ende 2014 einen diplomatischen Kurswechsel und stellte die Embargopolitik infrage. Seitdem stiegen die Suchanfragen nach Unterkünften in Kuba bei Airbnb um 70 Prozent.
Im Rahmen der marktwirtschaftlichen Reformen der letzten Jahre dürfen viele Kubaner zunehmend in der Privatwirtschaft arbeiten. Der Privatsektor zählt inzwischen fast 480000 Freiberufler. Tausende von ihnen stellen Touristen ihre Wohnungen zur Verfügung. Die Airbnb-Partner unter ihnen würden nun von den Schutzvorschriften des Unternehmens profitieren, versicherte die US-Firma.

Auch Bacardi will wieder nach Kuba

Die Aussicht auf eine Normalisierung der Handelsbeziehungen hat bei vielen US-Unternehmen Hoffnungen auf gute Geschäfte in Kuba geweckt.
Der Autoriese General Motors kündigte bereits an, alle Möglichkeiten für eine Expansion zu prüfen. Auch die 1862 in Kuba und 1960 ins US-Exil ausgewanderte Rum-Firma Bacardi würde gerne wieder dort aktiv werden. Diverse andere Konzerne vom Baumaschinen-Hersteller Caterpillar über die Hotelkette Hilton bis hin zu den US-Fluggesellchaften hoffen auf einen Durchbruch.
Doch zunächst haben die verbesserten diplomatischen Beziehungen auf der Handelsebene noch keine allzu großen Auswirkungen. Experten schätzen, dass eine Normalisierung Jahre dauern kann. Nur der US-Kongress kann das 1960 gegen Kuba verhängte Embargo beseitigen - Alleingänge der Obama-Regierung sind deshalb nicht möglich.
Trotzdem profitieren bereits einige Branchen von der Lockerung des Embargos. So dürfen unter anderem US-Telekommunikationsfirmen wieder Geschäfte mit Kuba machen. Die Telefonverbindungen zwischen beiden Ländern laufen bislang über Drittländer oder Satellitenanschlüsse.

Menschenrechte sind immer noch ein Thema

Die Firma IDT aus New Jersey schloss im Februar eine Vereinbarung mit dem kubanischen Staatsmonopolisten Etecsaals. IDT ist damit nach eigenen Angaben der bislang einzige US-Betreiber, der direkte Verbindungen zu dem Karibikstaat anbietet. Außerdem genehmigen die USA künftig etwa den Export von Baumaterialien oder Ausstattung für privae Unternehmen wie Restaurants, Friseursalons oder Bauernhöfe.
Zuletzt rückte mit den Menschenrechten allerdings eher wieder ein Konfliktthema zwischen den beiden Staaten in den Vordergrund. Die US-Regierung hat die Menschenrechtslage in Kuba trotz der politischen Annäherung wiederholt kritisiert. (dpa)

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