Airbus A350 : Europas Leichtgewicht

Das neue Flaggschiff der europäischen Flugzeugbauer hebt ab: Airbus bringt seinen Großraumflieger A350 erstmals in die Luft. Er soll helfen, den Rivalen Boeing wieder abzuhängen.

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Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Kurz vor Beginn der Luftfahrtmesse in Le Bourget am 17. Juni schiebt Airbus den A350 aus der Montagehalle aufs Flugfeld.Alle Bilder anzeigen
Alle Fotos: dpa
14.06.2013 11:12Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Kurz vor Beginn der Luftfahrtmesse in Le Bourget am 17. Juni schiebt Airbus den A350 aus der...

Um kurz nach zehn Uhr ist am Freitagvormittag das neue Flaggschiff der europäischen Flugzeugbauer im französischen Toulouse zu seinem rund vierstündigen Jungfernflug gestartet. Der Airbus A 350 ging kurz vor der Eröffnung des Pariser Aero Salons, der größten Luftfahrtschau der Welt, in die Luft. Im Schatten des Eiffelturms werden sich Airbus und der Erzrivale Boeing aus den USA wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Verkündung neuer Aufträge liefern.

Boeing hat für Paris die Präsenz von gleich zwei Exemplaren des A 350-Konkurrenzmodells 787 („Dreamliner“) angekündigt. Ob der neue Airbus den Showgästen wenigstens bei einem Überflug die Ehre erweisen wird, ist noch offen. Beide Modelle sind die ersten Flugzeuge des jeweiligen Herstellers, die überwiegend aus Kunststoff bestehen. Wegen Problemen mit den leichteren und leistungsstärkeren Lithium-Ionen-Batterien waren die bis dahin 50 von Boeing ausgelieferten „Dreamliner“ bis April rund drei Monate am Boden. Auch die ersten Prototypen des A 350 fliegen mit diesen Batterien, für die Serienmodelle ist man vorsorglich zu den klassischen Nickel-Cadmium-Batterien zurückgekehrt.

In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres soll der erste A 350 an den Erstkunden Qatar Airways ausgeliefert werden. Bis dahin müssen die insgesamt fünf Prototypen rund 2500 Flugstunden absolvieren, bevor die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA dem Modell die Zulassung erteilt.

Airbus A350 hebt ab zum Erstflug
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Kurz vor Beginn der Luftfahrtmesse in Le Bourget am 17. Juni schiebt Airbus den A350 aus der Montagehalle aufs Flugfeld.Alle Bilder anzeigen
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14.06.2013 11:12Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Kurz vor Beginn der Luftfahrtmesse in Le Bourget am 17. Juni schiebt Airbus den A350 aus der...

Angetrieben wird der A 350 von Trent XWB-Triebwerken des britischen Herstellers Rolls Royce, der auch in Dahlewitz südlich von Berlin ein großes Werk betreibt. Die Triebwerke sind in Prüfständen am Boden sowie an einem Testflugzeug bereits rund 4200 Stunden gelaufen, bevor die Freigabe zum Erstflug des A 350 erfolgte. Die Maschine mit der Werksnummer MSN 001, die gestern in den bewölkten südfranzösischen Himmel startete, hatte insgesamt rund 20 Tonnen an Computern und sonstiger Testausrüstung an Bord, alle Flugparameter werden in Echtzeit per Telemetrie zur Bodenstation übertragen. Der Start wurde live im Internet übertragen.

Im Cockpit saßen Airbus-Chef-Testpilot Peter Chandler und Projekt-Testpilot Guy Magrin. Der Brite hat eine Erfahrung von mehr als 12 000 Flugstunden, der Franzose war schon mehr als 13 500 Stunden in der Luft. Fliegerisch soll sich der A 350 kaum vom Airbus-Erfolgsmodell A 330 unterscheiden, dessen Piloten nur eine kurze Typeneinweisung benötigen. Laut Airbus-Pilot Peter Chandler lief während des A 350-Fluges „alles prima“. Die Maschine fühle sich „in der Luft eindeutig besser an als auf der Rollbahn“.

Der zweite Prototyp wird im Oktober an den Start gehen. Bis April nächsten Jahres folgen drei weitere Maschinen, zwei davon sind für Funktionstests bereits mit einer komplett ausgestatteten Passagierkabine ausgestattet. Nach dem Basismodell will Airbus bereits 2017 auch mit der Auslieferung des größeren A350-1000 beginnen, mit dem man das größere Konkurrenzmodell Boeing 777 angreift. Die Amerikaner arbeiten deshalb an einer modernisierten 777X und wollen in Paris über den Entwicklungsstand informieren. Nachdem sich das vorletzte Airbus-Modell, der Super-Jumbo A380, nur schleppend verkauft, scheint sich der A 350 für die Europäer wieder zu einem Verkaufsschlager zu entwickeln. 34 Kunden aus 25 Ländern haben bereits 616 Flugzeuge bestellt. Hinsichtlich der rückzahlpflichtigen Entwicklungskostenbeihilfen liegt Airbus mit der Bundesregierung noch immer im Clinch.

Berlin hält die Auszahlung des deutschen Anteils in Höhe von rund 600 Millionen Euro weiterhin zurück. Man fordert eine stärkere Einbeziehung der deutschen Werke in das bisher französisch dominierte A 350-Projekt. „Wir haben da ein Problem und wären froh, wenn es gelöst wäre“, sagte Airbus-Chef Fabrice Brégier kürzlich vor Journalisten in Toulouse. Am Freitag war Brégier ebenso wie sein Vorgänger Tom Enders, jetzt Boss des Mutterkonzerns EADS, einfach nur „stolz“. „Einen Jungfernflug gibt es ja nicht so oft“, sagte Enders. Es ist nicht wie in der Autoindustrie, wo man alle zwei Jahre oder sogar noch öfter ein neues Modell auf den Markt bringt.“

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