Wirtschaft : Airbus A350 vor dem Start

EADS-Eigner einigen sich weitgehend über Finanzierung des neuen Langstreckenfliegers / Erste Auslieferung ab 2012 möglich

Nicole Huss

München - Nach wochenlangen Verzögerungen sind die Verhandlungen über den Bau des Airbus A350 auf der Zielgeraden. Die Anteilseigner des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS haben nach Angaben aus Verhandlungskreisen am Freitag bei einer Verwaltungsratssitzung in Amsterdam strittige Finanzierungsfragen geklärt und wollten noch am selben Tag grünes Licht geben. Bis Redaktionsschluss war jedoch noch keine Entscheidung gefallen. Analysten drängen auf den Start des Prestigeprojekts, mit dem die EADS-Tochter Airbus Boden gegenüber dem Rivalen Boeing gut machen will. Die Börsen rechneten fest mit einer Einigung. Der Kurs der EADS-Aktie kletterte in Paris bis zum Nachmittag um drei Prozent auf 22,88 Euro.

Streitigkeiten über die Finanzierung hatten bei EADS bislang eine Einigung über den Bau des Langstreckenflugzeugs verhindert, dessen Entwicklung rund zehn Milliarden Euro kosten soll. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen steht das Finanzierungsmodell nun aber: Danach sollen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien – die Staaten mit Airbus-Produktionsstätten – staatliche Beihilfen in Form von garantierten Anleihen mit rund vier Milliarden Euro Gesamtvolumen geben. Die restlichen sechs Milliarden Euro soll EADS selbst aufbringen. Der Konzern hat schon angekündigt, etwa ein Drittel der Entwicklungsarbeiten an Zulieferfirmen zu vergeben, die sich an den Anlaufkosten beteiligen müssen.

Der Vorschlag des französischen Staates, den A350 mit Hilfe einer Kapitalerhöhung zu finanzieren, lehnten die privaten Anteilseigner Lagardère und Daimler-Chrysler im Vorfeld ab. Sie selbst wollen ihre Anteile an EADS eher reduzieren und befürchteten, dass sich Frankreich auf diesem Weg mehr Einfluss im Konzern hätte sichern wollen. Dies hätte das deutsch-französische Gleichgewicht im Konzern gestört. Frankreich soll sich nun aber bereit erklärt haben, einen Teil des Finanzierungsplans mit Staatsbeihilfen abzusichern. An EADS sind neben dem französischen Staat (15 Prozent) und den Unternehmen Lagardère (7,5 Prozent) und Daimler-Chrysler (22,5 Prozent) auch der spanische Staat und eine russische Bank beteiligt.

Der A350 gilt als Hoffnungsträger des EADS-Konzerns, der wegen Lieferschwierigkeiten beim Superjumbo A380 und Führungsstreitigkeiten in große Schwierigkeiten geraten ist. Mit dem A350 will Airbus Boeing Marktanteile in dem wichtigen Segment für Langstreckenflugzeuge mit 200 bis 300 Sitzen wegnehmen. Derzeit hat die Konkurrenz aus den USA noch die Nase vorn: Das „Dreamliner“ genannte Modell 787 soll 2008 in den Liniendienst gehen. Der A350 ist noch in der Planungsphase. Ursprünglich sollte das Flugzeug nur eine Erweiterung des bestehenden Modells A330 werden und rund vier Milliarden Euro kosten. Dann entschied sich Airbus nach heftiger Kundenkritik für eine komplette Neuentwicklung.

Experten rechnen nun damit, dass der A350 frühestens 2012 an Kunden ausgeliefert werden kann. „Airbus muss ganz schnell den Startschuss für den A350 geben, weil ihnen sonst die Zeit davonläuft“, sagte der Münchner Luftfahrtexperte Peter Pletschacher. Vieles spreche dafür, das Programm zu starten, auch wenn noch nicht alle finanziellen Details geklärt seien. Der A350 sei nicht nur als Prestigeprojekt für Airbus wichtig, sondern biete auch Riesenchancen in einem Wachstumsmarkt. Pletschacher ist davon überzeugt, dass EADS einen Eigenanteil von sechs Milliarden Euro stemmen könnte. „Der Hauptteil der Entwicklungskosten fällt erst in zwei bis drei Jahren an. Dann ist EADS aus dem Gröbsten heraus“, sagte er. Bis dahin will der Konzern sein jüngstes Kostensparprogramm umgesetzt und die ersten Gewinne aus den Verkäufen des A380 erzielt haben. Pletschacher zufolge wäre EADS mit den Entwicklungskosten für den A350 dennoch „an der Kante seiner Möglichkeiten“. Es sei in den kommenden Jahren deshalb zunächst mit einem sinkenden Konzerngewinn und einem wackeligen Aktienkurs zu rechnen.

Branchenanalyst Nils Machemehl von M.M. Warburg sieht kein großes Finanzierungsproblem, wenn EADS mehrere Milliarden Euro investieren muss. „Insgesamt steht der Konzern auf soliden Füßen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben