Wirtschaft : Airbus-Arbeiter lenken ein

Betriebsrat stemmt sich nicht mehr gegen Verkauf von Werken – verlangt aber einen deutschen Investor

Dieter Hanisch

Hamburg - Die Arbeitnehmervertretung von Airbus in Deutschland stemmt sich nicht mehr grundsätzlich gegen den Verkauf von Werken beziehungsweise gegen Standortpartnerschaften. Dennoch halte man diese Schritte unternehmensstrategisch für falsch, sagte der Gesamtbetriebsratschef des Flugzeugbauers, Rüdiger Lütjen, am Mittwoch in Hamburg. Zusammen mit der IG Metall zog er eine Zwischenbilanz zu dem von der Konzernleitung ausgerufenen Power-8-Programm und zeigte sich dabei enttäuscht.

„Ich schäme mich geradezu, heute keine Neuigkeiten verkünden zu können“, sagte Lütjen. Die Belegschaften forderten endlich verlässliche Aussagen über die betriebliche Zukunft. Die Stimmung bei den Mitarbeitern sei bedrückend. Man arbeite längst nicht mehr für das Management und das Unternehmen, sondern identifiziere sich nur noch mit dem Flugzeug. Der europäische Flugzeugbauer ist wegen seiner schleppenden Produktion beim Superjumbo A 380 in Turbulenzen geraten. Im Oktober 2006 wurde das acht Kernpunkte umfassende Sanierungsprogramm Power 8 angekündigt. Es soll die Produktion straffen und zugleich Kosten senken. Der Airbus-Mutterkonzern EADS will zudem rund 10 000 Arbeitsplätze einsparen sowie sechs der 16 Werke ganz oder teilweise veräußern und die Verwaltung straffen. Die IG Metall fürchtet, dass dadurch mindestens 3500 Stellen in Deutschland zur Disposition stehen.

Lütjen sieht es nicht als seine Aufgabe, sich mit potenziellen Investoren auszutauschen, will aber dem Airbus-Management seine Haltung vortragen. „Uns treibt nicht die Eigentumsfrage um, sondern die Zukunftssicherung“, sagte Lütjen. Mögliche Kandidaten für einen Kauf oder eine Partnerschaft müssen in seinen Augen bereit sein, eine vertraglich langfristige Bindung einzugehen. Von ihnen fordert er zudem ein perspektivisches Konzept, die Garantie sozialer Standards und eine gesunde Finanzausstattung.

In den niedersächsischen Werken Varel und Nordenham, die laut dem Sparplan abgestoßen werden sollen, haben sich zuletzt fast täglich Kaufinteressenten oder strategische Partner die Betriebsstätten angesehen, hieß es in Hamburg. Ein konkretes Angebot soll aber nur von der OHB-Gruppe aus Bremen vorliegen. Anders im baden-württembergischen Laupheim: Dort hat sich laut dem Betriebsratsvorsitzenden Stefan Hammer noch niemand blicken lassen, auch wenn es heißt, dass das Nürnberger Luftfahrtausrüster- und Wehrtechnikunternehmen Diehl Interesse an dem Werk haben soll. Nach Hammers Worten wird dort immer öfter gekündigt und bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder angeheuert. IG Metall und Betriebsrat verteilten aber nicht nur Tadel gegenüber Airbus. Das Unternehmen sei gesund und hat volle Auftragsbücher. Es müsse nur für Managementfehler bluten.

Die Vorsitzende des IG Metall Bezirks Küste, Jutta Blankau, lässt die Diskussion um die EADS-Führung relativ kalt: „Ob Doppelspitze oder Einzelspitze, wir konzentrieren uns auf Power 8.“ In der nächsten Woche soll sich entscheiden, ob aus dem Führungsduo Louis Gallois und Tom Enders nur noch eine Spitze übrig bleibt. Blankau traf sich am Mittwoch auch mit dem Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, um eine verstärkte nationale politische Einflussnahme einzufordern.

Sie kündigte für den heutigen Donnerstag in Varel, Nordenham und Laupheim Kundgebungen an. Am kommenden Montag besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy die Airbus-Zentrale in Toulouse. Die dortige Gewerkschaft CGT will dann ebenfalls protestieren.

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