Wirtschaft : Airbus: Boeing verliert sein Monopol

Thomas Magenheim

Das weltgrößte Flugzeug ist nach jahrelangen Diskussionen und Planungen endlich im Anflug. Nichts zeigt die Bedeutung dieses kostspieligsten Zivilflugzeugprojekts aller Zeiten besser als die Aufgeregtheit jenseits des Atlantischen Ozeans über den Airbus A 380. Ein solcher Riese der Lüfte habe keinen profitablen Markt, hatte der US-Konzern Boeing zuletzt so monoton wie fadenscheinig behauptet. Seit Jahrzehnten fliegt der Airbus-Konkurrent mit seinem Jumbo 747 in der Großraumklasse entscheidende Monopolgewinne ein. Das ist der Hauptgrund für das jetzige Mammutprojekt der Europäer. Über viele Jahre konnte Boeing mit den Exklusivgewinnen großzügig Preiskämpfe bei anderen Modellen finanzieren.

Diese Zeiten sind bald vorbei. Das erklärt, warum Boeing, nachdem der A 380-Startschuss nicht verhindert werden konnte, nun gegen staatliche Förderung wettert, wobei sogar der US-Präsident assistiert. Ein Monopol verliert eben keiner gerne. Da die A 380 nicht subventioniert sondern mit rückzahlbaren und damit wettbewerbskonformen Krediten gefördert wird, ist der neue US-Vorstoß aber nur ein zum Scheitern verurteiltes Rückzugsgefecht. Damit herrscht zwischen Boeing und Airbus bald Wettbewerb - wenn auch keine völlige Waffengleichheit. Anders als Airbus kann Boeing auf üppige US-Rüstungsaufträge bauen, in denen sich auch Forschungsprojekte für Ziviljets verstecken lassen. Andererseits profitiert der Airbus derzeit vom Dollarkurs, weil Ziviljets global in US-Währung bezahlt werden, die eigenen Kosten aber in Euro anfallen. Wenn die Währungsrelationen so bleiben und die als Kreuzfahrtschiff der Lüfte gefeierte A 380 technologisch nicht wie seinerzeit das Luftschiff Hindenburg einen fatalen Absturz erlebt, können die Europäer den US-Rivalen nun überflügeln.

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