Wirtschaft : Airbus erwägt Abbruch des A400M

Militärflugzeug bindet Geld und Personal

Berlin - Hinsichtlich der umstrittenen Finanzierung der fünf Milliarden Euro Mehrkosten für den Militärtransporter A 400M hat Airbus-Chef Tom Enders jetzt den Druck auf die europäischen Regierungen erhöht. Wie Firmensprecher Stefan Schaffrath bestätigte, gibt es bereits Pläne für einen möglichen Abbruch des Programms, so etwa zur Verteilung der Ingenieure auf zivile Flugzeugprojekte. „Derzeit verursacht der A 400M jeden Monat ein dickes Minus und bindet wichtige Ingenieurkapazitäten“, sagte Schaffrath dem Tagesspiegel. Enders sei nicht bereit, diesen „konstanten Aderlass“ weiter hinzunehmen. Deshalb stelle sich die Frage, ob die Fachkräfte beim A 380 und dem A 350 nicht sinnvoller eingesetzt werden könnten. Frankreich hat die Möglichkeit eines Ausstiegs zurückgewiesen. Paris als Miteigner der Airbus-Mutter EADS erwäge keine Aufgabe des Programms, sagte Verteidigungsminister Hervé Morin am Dienstag in Paris.

Ungeachtet der Debatte um die Zukunft des Projektes traf gestern am Flughafen Dresden das Cockpit eines A 400M ein. Zusammen mit dem heute erwarteten restlichen Rumpf wird es in einem eigens zu diesem Zweck gebauten Hangar der Firma IABG einem zweijährigen Belastungstest unterzogen, bei dem 25 000 Flüge simuliert werden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, haben die Produktion neu organisiert und sind überzeugt davon, dass der A 400M ein Superflugzeug für die nächsten 30 bis 40 Jahre ist“, so Schaffrath. Doch bei den Vertragsverhandlungen habe es in den letzten Monaten nur unzureichend Bewegung gegeben. Airbus sei an die Regierungen herangetreten „mit dem Ziel, dass auch sie ihren Teil der Lasten des Projektes übernehmen“, sagte Schaffrath. „Wir streben eine Einigung bis zum Ende des Monats an.“

Vor allem auf deutscher Seite lehnt man eine hohe Beteiligung an den Mehrkosten bisher ab. „Mehr als 650 Millionen Euro Zusatzkosten, die sich analog der Preis-Eskalationsformel im Vertrag ergeben, werden wir nicht zahlen“, erfuhr das „Handelsblatt“ aus dem Bundesverteidigungsministerium. „Es ist zwar schön, dass das Flugzeug in Sevilla abgehoben hat. Damit ist aber noch keine einzige Bedingung erfüllt“, ergänzte Holger Neumann, Sprecher des Ministeriums.

Mit gut zweijähriger Verspätung war der A 400M im Dezember zu seinem Jungfernflug gestartet. Deutschland und Frankreich sind die größten Abnehmer eines Länderkonsortiums, zu dem auch Belgien, Großbritannien, Luxemburg, Spanien und die Türkei gehören. Gemeinsam hatte man 180 Flugzeuge zum Paketpreis von 20 Milliarden Euro bestellt, doch dann explodierten die Kosten. 2,4 zusätzliche Milliarden hat Airbus in seinem Haushalt eingestellt, um weitere fünf Milliarden wird jetzt gerungen. -du/HB/AFP

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