Wirtschaft : Airbus gibt EADS-Konzern Auftrieb

Gute Geschäfte bei der Flugzeugtochter sorgen für gutes Quartalsergebnis – Führungsstreit nicht beigelegt

Flora Wisdorff

Berlin - Dank des gut laufenden Geschäfts mit Passagierflugzeugen hat der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS am Montag gute Quartalszahlen präsentiert. Der Konzern hat vor allem wegen der gestiegenen Flugzeugauslieferungen seinen operativen Gewinn im ersten Quartal mehr als verdreifacht. Von Januar bis März 2005 habe das Unternehmen ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern sowie außerordentlichen Posten (Ebit) von 657 Millionen Euro erwirtschaftet, teilte EADS am Montag mit. Der Umsatz legte um 16 Prozent auf sieben Milliarden Euro zu, das Konzernergebnis stieg binnen Jahresfrist auf 328 Millionen Euro von 49 Millionen Euro.

Schon seit zwei Jahren läuft es für die Zivilflugzeugsparte des EADS-Konzerns besonders gut, beide Jahre hat Airbus mehr Flugzeuge ausgeliefert als der US-Konkurrent Boeing. Airbus, das zu 80 Prozent zu EADS gehört, hat 628 (Vorjahr 224) Millionen Euro zu dem Quartalsgewinn beigetragen. Von Januar bis März wurden mit 87 Flugzeugen 20 mehr als im Vorjahr an die Käufer ausgeliefert.

Analysten begrüßten die Ergebnisse. „Die Zahlen sind hervorragend“, sagte Nils Machemehl von MM Warburg dem Tagesspiegel. Airbus sei für die nächsten Jahre gut aufgestellt. Die Produktpalette sei überzeugender als die von Boeing, sie decke ein breiteres Spektrum ab.

Die Vorlage der Quartalszahlen geschieht vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen um einen neuen Machtkampf an der Spitze des Konzerns. Am Mittwoch auf der Hauptversammlung sollen der bisherige Chef der Rüstungssparte, Thomas Enders, und der Airbus-Chef Noël Forgeard die bisherigen Chefs Philippe Camus und Rainer Hertrich ablösen.

Es ist jedoch noch kein Nachfolger für Forgeard an der Airbus-Spitze gefunden worden – weil sich die Aktionäre nicht einigen konnten, sagte ein Airbus-Sprecher. An der Spitze des europäischen Konzerns muss ein Gleichgewicht zwischen Franzosen und Deutschen gewahrt werden – denn ebenso wie die Daimler-Chrysler AG hält der französische Staat gemeinsam mit Lagardère 30,2 Prozent der EADS-Anteile, während die spanische Staatsholding Sepi über 5,52 Prozent verfügt.

Derzeit werden mit Airbus und dem Bereich Raumfahrt zwei Bereiche von Franzosen geführt. Der Bereich Aeronautics, der vom Hubschrauberhersteller Eurocopter dominiert wird, und die Militärsparte stehen unter deutscher Leitung. Dem Bereich Militärische Transportflugzeuge steht mit Francisco Fernandez Sainz ein Spanier vor.

Wenn nun ein Deutscher an die Spitze von Airbus rücken sollte, müsste in einer anderen Sparte ein Franzose an die Spitze aufsteigen. Für Airbus sind als Kandidaten noch der deutsche Airbus-Vizechef Gustav Humbert sowie der Chef der EADS-Tochter Eurocopter, der Franzose Fabrice Brégier, im Rennen. Wer für Enders die Militärsparte leiten soll, ist ebenfalls noch völlig unklar. Zu den Sorgen um die ausgeglichene Machtverteilung zwischen Deutschen und Franzosen kommen weitere politische Einflüsse: Die französische Regierung will jeglichen negativen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten der Franzosen zum Referendum über die europäische Verfassung am 29. Mai verhindern – dazu könnte auch die Benennung eines Deutschen an die Airbus-Spitze zählen. Insider rechnen deshalb nicht damit, dass die Frage um die Nachfolge von Forgeard an diesem Mittwoch geklärt wird.

Presseberichte darüber, dass der Großaktionär Daimler-Chrysler am Mittwoch ein Veto gegen Forgeard einlegen könnte, weil der angeblich selbst bei Airbus weiterhin das Sagen haben möchte, beurteilen Unternehmenskreise und Analysten als unwahrscheinlich. „Das wäre nicht nachvollziehbar“, sagte Stefan Maichl von der Landesbank Baden-Württemberg. Es sei dagegen anzunehmen, dass die neue EADS-Spitze längst unter „Dach und Fach“ sei. Der deutsch-französische Machtkampf könnte den Aktienkurs des Unternehmens kurzfristig belasten, sagte Maichl.

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