Wirtschaft : Airbus holt Milliardenauftrag in den USA

HAMBURG/PARIS (dpa/AFP).Dolores hieß vor drei Jahren das Programm, mit dem das deutsche Airbus-Unternehmen auf den Weltmärkten wieder wettbewerbsfähig werden wollte.In einer Phase mit scharfem Auftragsrückgang und niedrigem Dollar mußte Airbus unter harten Einschnitten nicht nur Überkapazitäten abbauen, sondern zugleich die Produktion straffen."Die Plackerei und Quälerei dieser Jahre hat sich gelohnt", sagt Gustav Humbert, der Chef der Daimler-Benz Aerospace Airbus GmbH mit Sitz in Hamburg-Finkenwerder.Mittlerweile holt Airbus Milliardenaufträge - sogar im Heimatland von Boeing.Die jüngste Order kommt aus den USA und kann sich sehen lassen: Nach Angaben des Wall Street Journal macht der Auftrag umgerechnet knapp 6,7 Mrd.DM aus.Die sechstgrößte US-Fluggesellschaft, US Airways, gab eine feste Bestellung über sieben A 330-300 ab.Ein Auftrag für weitere sieben Flugzeuge muß noch bestätigt werden.Außerdem gibt es Optionen für 16 weitere Airbus-Maschinen.

Airbus ist heute ein anderes Unternehmen als vor vier Jahren.Einst arbeiteten 22 000 Beschäftigte in zehn inländischen Werken und fertigten 1992 - im europäischen Verbund - 157 Airbus-Flugzeuge.Dieses Jahr sind es weniger als 15 000 Mitarbeiter in sieben Fabriken, und sie werden an 236 Maschinen mitbauen."Wir haben die Kosten um ein Drittel reduziert und die Durchlaufzeiten glatt halbiert", sagt Humbert.Die Abhängigkeit vom US-Dollar wurde deutlich abgebaut; selbst bei einem Dollarkurs von 1,35 DM könnte Airbus heute noch rentabel arbeiten.Das einstige Sorgenkind im Daimler-Benz-Konzern schafft jetzt die konzernintern vorgegebene Kapitalrendite von zwölf Prozent und zahlte im vergangenen Jahr 1,4 Mrd.DM Subventionen vorzeitig zurück.Der Umsatz soll in diesem Jahr von 4,8 auf 5,5 Mrd.DM klettern.

460 feste Order gingen 1997 ein, 1998 werden es nach Humberts Erwartungen wieder 350 bis 400 werden.Das Auftragspolster ist auf über 1000 Flugzeuge angeschwollen.Dennoch bleibt der Hamburger Airbus-Chef, der vor kurzem auch in den Dasa-Vorstand in München berufen wurde, zurückhaltend.Der Auftragsboom soll mit Zeitarbeitsverträgen und Fremdarbeitskräften bewältigt werden."Die Nachfrage wird auch wieder einmal schwächer, und dann wollen wir nicht in die gleiche Lage wie vor drei Jahren kommen", sagt er.Immerhin hofft auch Humbert auf einen Zuschlag für die Endmontage des neuen Großraum-Airbus A 3XX, über die im nächsten Jahr entschieden wird.Fünf europäische Städte haben sich beworben: Hamburg, Rostock, Toulouse, St.Nazaire und Sevilla.

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