Wirtschaft : Airbus: Konsortium für vier Jahre voll ausgelastet

abo/kol/mo

Der Flugzeughersteller Airbus Industrie geht mit voller Kraft in seine Umgestaltung zum rechtlich selbstständigen Unternehmen. Das in Toulouse ansässige Konsortium lieferte 2000 mit 311 Maschinen mehr aus als geplant und setzte 17,2 Milliarden Dollar um. Es verbuchte 520 neue Festaufträge, deren Auftragswert 41,3 Milliarden Dollar erreicht - ein Plus von neun Prozent bei der Stückzahl und von 35 Prozent beim Auftragswert.

Quer durch alle Größenklassen hat Airbus in den mehr als 20 Jahren des Bestehens insgesamt 2499 Flugzeuge ausgeliefert, wie Vorstandschef Noel Forgeard auf der Jahrespressekonferenz am Montag in Paris erläuterte: "Schade, dass wir die 2500 Maschinen um ein Exemplar verpasst haben." In den Auftragsbüchern stehen nun 1626 Bestellungen, genug für vier Jahre Vollauslastung.

Allerdings enttäuschte Forgeard zahlreiche Analysten, die sich von der selbstbewusst auftretenden Tochtergesellschaft des Aeronautikkonzerns EADS N.V. zum formellen Unternehmensstart zumindest eine Pro-Forma-Bilanz samt Gewinn- und Verlustrechnung erhofft hatten und auch nach der Schuldenlage fragten. "Ich kann keine Ergebniszahlen bekannt geben", sagte Forgeard knapp, "denn sie wären für unsere Anteilseigner kursrelevante Informationen."

Er stellte im Übrigen klar, dass die Briten sich nicht aus dem Airbus-Konsortium verabschieden werden. Außerdem stehe auch ein Börsengang von Airbus nicht an. Ebenfalls noch offen sei der Einstieg der Italiener als Partner in der Entwicklung des Großraumflugzeugs A380. Die neue Gesellschaft werde versuchen, bis 2004 rund 350 Millionen Euro Synergien zu realisieren. Dies dürfte helfen, die immer noch hinter US-Konkurrent Boeing liegende Rentabilität aufzubessern. Allerdings hat Airbus an anderer Stelle schon die Nase vorn. Bei den Maschinen mit weiter Kabine und zwei Gängen zwischen den Sitzreihen errechnet Airbus gar eine Führung vor Boeing: Seit 1998 habe man den Wettbewerber überrundet.

Forgeard betonte, Airbus setze bei der Produktion des Großraumflugzeuges A380 weiter auf den Standort Hamburg. Es gebe derzeit keine Alternativszenarien für den Fall einer Niederlage vor Gericht. Die Beteiligung Hamburgs an der Endmontage des neuen Airbus-Großraumflugzeugs A380 gerät derweil zur juristischen Hängepartie. In Hamburg sollen Rumpfteile des Flugzeugs montiert und die Inneneinrichtung eingebaut werden. Voraussetzung dafür ist die Erweiterung des Werksgeländes. Dazu wäre die Teilzuschüttung eines Naturschutzgebietes, der Elbbucht Mühlenberger Loch, erforderlich, was auf Widerspruch von Anwohnern und Umweltschützern stößt. Mehreren Anwohnern hatte das Verwaltungsgericht Rechtsschutz gewährt und den noch für Ende 2000 geplanten Baubeginn verhindert. Dagegen legte die Hamburger Wirtschaftsbehörde eine Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht ein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben