Airbus-Konzern : Der A 380 geht an den Start

Heute ist der große Tag für den A380: Die erste Maschine des neuen Riesenfliegers wird ausgeliefert - über den Berg ist Airbus damit noch lange nicht.

Rainer W. During

Berlin Eine gewisse Schadenfreude kann man in der Airbus-Zentrale im französischen Toulouse nicht verbergen. Wenige Tage vor der um rund anderthalb Jahre verzögerten Auslieferung des ersten Super-Jumbos A 380 hat der amerikanische Erzrivale Boeing einräumen müssen, dass sich auch seine ambitionierte Neuentwicklung, der „Dreamliner“, um mindestens sechs Monate verzögern wird. Am Montag erhält nun Singapore Airlines den ersten, lang erwarteten A 380, doch auch Airbus ist damit noch lange nicht aus der Krise.

Airbus-CEO Thomas Enders sprach im Vorfeld der Übergabe von einem „wichtigen Meilenstein“ für das A-380-Programm. „Ich möchte allen Beteiligten meine besondere Anerkennung aussprechen und unseren Teams und allen, die Tag und Nacht sowie an Wochenenden hart gearbeitet haben, für ihren Einsatz und ihr Engagement herzlich danken“, sagte er. Bei der Produktion des A 380 sei Airbus noch nicht aus dem Schneider. Im „Spiegel“ nannte Enders das Ziel, im kommenden Jahr 13 Maschinen und ab 2010 sogar vier Maschinen pro Monat auszuliefern, „anspruchsvoll“. „In der Tat haben wir die ganz große Herausforderung noch vor uns.“ Erst wenn die Fertigung wie geplant hochgefahren werde, sei „das A-380-Programm über den Berg“.

Der neue Airbus kann in zwei Etagen bis zu 873 Passagiere über eine Distanz von bis zu 15 000 Kilometern befördern. Der Treibstoffverbrauch der wahlweise mit vier Triebwerken von Engine Alliance oder Rolls-Royce ausgestatteten Maschine liegt bei nur 2,9 Litern pro Passagier auf 100 Kilometer. Eine übliche Drei-Klassen-Bestuhlung bietet 525 bis 555 Sitze. Singapore Airlines statten ihre A 380 mit nur 471 Plätzen aus. Dazu gehören zwölf Suites auf dem Hauptdeck, die bisher das bestgehütete Geheimnis um den Super-Jumbo sind. Sie werden am Montag enthüllt und sollen einen ultimativen Luxus bieten, der die bisherige First Class deutlich übertrifft.

Singapore Airlines wird den ersten A 380 auf der Strecke zwischen Singapur und Sydney einsetzen. Das weltweite Interesse war so groß, dass sich die Gesellschaft entschlossen hatte, die Plätze auf den Erstflügen am 25. und 26. Oktober bei Ebay im Internet zu versteigern. Dabei wurden die Sitze in den verschiedenen Klassen einzeln oder als Pakete angeboten. Flugzeug-Fans rund um den Globus zahlten zwischen 267 und 73 000 Euro für das Privileg, dabei zu sein. Fast eine Million Euro kam so zusammen, die für karitative Zwecke gespendet wird.

Der reguläre Linienverkehr wird dann am 28. Oktober aufgenommen. Mit der Auslieferung weiterer Maschinen im kommenden Jahr soll dann auch London angesteuert werden. Die Übergabe der Flugzeuge an Fluggesellschaften aus Europa und dem Mittleren Osten erfolgt in Hamburg, wo Emirates im Sommer den ersten Super-Jumbo erhalten wird. Bisher vergeblich drängten die Araber auf einen früheren Termin, um den Jet bereits bei der Eröffnung des neuen Terminals in Dubai präsentieren zu können, die im Mai erfolgen wird.

Ursprünglich hatte Singapore Airlines den ersten A 380 bereits Mitte des Jahres 2006, dann Ende 2006 erhalten sollen und bereits eine entsprechende Werbekampagne gestartet. Wegen Herstellungsproblemen insbesondere bei der Verkabelung hatte Airbus das Programm im Juni vergangenen Jahres zunächst um ein halbes Jahr und dann im Oktober um ein weiteres Jahr verschieben und mit Kunden teure Kompensationen vereinbaren müssen.

Von einem wirtschaftlichen Erfolg ist das A-380-Programm damit noch weit entfernt. Bisher liegen nur 165 Festbestellungen und 24 Kaufabsichtserklärungen für den Riesenflieger vor, dessen Listenpreis rund 300 Millionen US Dollar beträgt (derzeit umgerechnet rund 211 Millionen Euro). Erst ab etwa 420 verkauften Maschinen, so heißt es, fliegt Airbus mit dem A 380 in die Gewinnzone.

Die Krise um den A 380 und den „Dreamliner“-Konkurrenten A 350, der komplett umgeplant werden musste und inzwischen steigende Verkaufszahlen verbucht, führte zur kompletten Umorganisation des Unternehmens, zum Start des Zwei-Milliarden-Sparprogramms Power 8 und zum geplanten Verkauf von insgesamt sechs Produktionsstätten einschließlich der deutschen Werke in Laupheim, Nordenham und Varel. Auch der Standort Augsburg steht zur Disposition.

Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, hat gefordert, dass beim Verkauf der Werke Qualität und Tragfähigkeit der Konzepte vor Schnelligkeit gehen müssen. Es handele sich um eine „schicksalhafte Entscheidung“ für Airbus, so der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Es gehe darum, dass in Deutschland nicht nur Forschung und Entwicklung betrieben werde, sondern die daraus resultierenden Ergebnisse auch hier produziert werden. Die Bundesregierung habe Interesse, dass hier ein starker Hersteller von Flugzeugstrukturen entstehe, der sich am Weltmarkt behaupten und auch andere Hersteller als Airbus beliefern kann. Dabei sei es nicht entscheidend, wo der künftige Eigentümer seinen Sitz habe. Der Triebwerkshersteller Rolls-Royce Deutschland gilt als erfolgreiches Beispiel für ein solches Unternehmen in ausländischem Besitz.

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