Airbus-Krise : Alle Standorte sind Gallois auf Dauer zu teuer

Airbus-Chef Louis Gallois hat sich in die Debatte um die Zukunft des europäischen Flugzeugbauers eingeschaltet. Er warnt vor dem Gift der Gerüchte, gesteht aber ein, das alle Standorte auf lange Sicht finanziell nicht haltbar sind.

Hamburg/Toulouse - Airbus-Chef Louis Gallois hat in einem Interview Fairness und Dialogbereitschaft hinsichtlich der Zukunft von Airbus versprochen. "Mein Kollege Tom Enders und ich haben zugesichert, Lasten und Zukunftschancen fair auf alle Airbus-Nationen zu verteilen und den Dialog mit den Sozialpartnern und der Politik zu führen", sagte Gallois der Tageszeitung "Die Welt". "Dabei bleibt es." Die Behauptung, die französische Seite bei Airbus wolle alle Macht und alle Kompetenzen an sich reißen, gehöre zur Propaganda und habe mit der Realität nichts zu tun.

Die Leistungsfähigkeit der Airbus-Standorte in Frankreich und Deutschland unterscheide sich nicht, sagte der Airbus-Chef der Zeitung. Leistungsmessungen hätten ergeben, dass die Airbus-Standorte Kopf an Kopf liegen. "Wir haben exzellente Standorte in Deutschland, Frankreich, England und Spanien. Aber wir können es uns auf Dauer nicht mehr leisten, überall aus eigener Kraft so viel zu investieren, wie notwendig ist, um jeden Standort zu sichern." Deshalb müsse Airbus diskutieren, ob es für manche Standorte sinnvoller sei, sie mit Partnern zu betreiben. Das eröffne Zugang zu Investitionen und zu neuen Märkten und trage dazu bei, Arbeitsplätze auf Dauer zu sichern. "Jedenfalls besteht kein Anlass zu Weltuntergangsstimmung", sagte Gallois.

Einzelheiten zu dem Airbus-Programm "Power 8" nannte Gallois in dem "Welt"-Interview nicht. "Wir sind noch im Entscheidungsprozess und wollen am 20. Februar zunächst den europäischen Betriebsrat informieren. Aber ich warne vor den Horrorszenarien, die jetzt manche an die Wand malen", sagte er. "Power 8" sei mehr als ein Kostensenkungsprogramm. Das Unternehmen starte damit ein Veränderungsprogramm, um Airbus wirklich zu integrieren, die immer noch nationale Industrieorganisation zu überwinden und sich mehr auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. (tso/dpa)

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