Airbus-Krise : Gewerkschaften kündigen harten Kampf an

Nach monatelangem Tauziehen steht das Sanierungsprogramm für den angeschlagenen Flugzeugbauer Airbus: 8000 Stellen sollen gestrichen werden, Gewerkschaften sehen aber bis zu 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Hamburg - Laut Medieninformationen konnte sich Deutschland teilweise mit seinen Forderungen durchsetzen. Airbus will sich dem Vernehmen nach europaweit von 8000 Arbeitsplätzen trennen. Der Europäische Metallgewerkschaftsbund sieht bis zu 10.000 Stellen in Gefahr und hat bereits vehemente Proteste angekündigt. Hamburg soll weiterhin ein Auslieferzentrum des Airbus-Superjets A380 erhalten. Auch Teile der A350-Produktion gingen nach Deutschland, das sich damit die Beteiligung an der zukunftsweisenden Kohlefasertechnologie im Flugzeugbau sichern würde. Der Mutterkonzern EADS will am Mittwoch die Arbeitnehmervertretungen informieren, anschließend will Airbus in Toulouse die Details des "Power 8"-Sanierungsplans bekannt geben.

In Brüssel trafen Arbeitnehmervertreter auf einer Konferenz des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes (EMB) zusammen. Details über die Pläne des Konzerns seien nicht bekannt geworden, sagte EMB-Generalsekretär Peter Scherrer. Die Umstrukturierung werde jedoch massiv sein. "Wir haben Signale erhalten, dass bis zu 10.000 Stellen abgebaut werden könnten." Die Arbeitnehmervertreter seien gegen jegliche Art von Werkschließungen, Verkäufe und Stellenabbau. In den nächsten zwei bis drei Wochen werde es den europaweiten Protesttag an den Airbus-Standorten geben. "Wir wollen, dass der technologische Spitzenkonzern EADS ein Modell bleibt für europäische Kooperation."

Spontane Arbeitsniederlegung

Nach Medieninformationen ist die Ausgliederung von vier Werken in Saint-Nazaire und Méaulte in Frankreich sowie Varel und Nordenham in Niedersachsen geplant. Anfangs wurde über die Trennung von sechs Werken spekuliert. Französische Airbus-Gewerkschaften kündigten einen harten Kampf gegen den erwarteten Stellenabbau an, falls die Neuordnung nicht ihren Vorstellungen entspricht. Die Belegschaft des Standorts Méaulte in Nordfrankreich legte spontan die Arbeit nieder. Die Leitung des Airbus-Werkes mit 1280 Mitarbeitern bestätigte den Ausstand.

Der Sprecher der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, forderte, "dass die Hängepartie endlich beendet wird". Die Ergebnisse will die IG Metall Küste am Donnerstag mit dem Gesamtbetriebsrat erörtern.

Wie "Welt Online" unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtete, sollen in Deutschland 3500 und in Frankreich 4200 Stellen abgebaut werden. Am größten deutschen Airbus-Standort in Hamburg-Finkenwerder sollen es nach Rundfunkangaben 800 Arbeitsplätze sein, "Spiegel Online" berichtete mit Berufung auf Hamburger Rathauskreise, dass in den nächsten drei Jahren mehr als 1000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Allerdings solle es keine Entlassungen geben. In Deutschland gibt es rund 23.000 Airbus-Beschäftigte.

Wulff: Einsparungen nicht einseitig

Zuletzt hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreich Staatspräsident Jacques Chirac für eine faire Lastenverteilung bei der Airbus-Sanierung eingesetzt. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bekräftigte, die Airbus-Einsparungen würden nicht zu einseitigen Belastungen für die deutschen Standorte führen. Dies sei ihm "verbrieft" von der Konzernleitung gesagt worden. Wulff betonte, bei der Veröffentlichung in Frankreich gehe es nicht um eine abschließende Entscheidung, sondern lediglich um die Bekanntgabe der Planungen des Managements.

Nach Informationen des Radiosenders NDR 90,3 und "Welt Online" bleibt es beim weltgrößten Passagierflugzeug A380 bei der Arbeitsteilung zwischen den beiden Ländern. Der A380 soll wie ursprünglich vorgesehen in Teilen in Hamburg gebaut und auch hier ausgeliefert werden. Die Investitionsentscheidung für den Bau des Auslieferzentrums in Hamburg könnte nach Rundfunk-Angaben zeitgleich mit den Sparmaßnahmen verkündet werden.

Hamburg soll Zentrum für kleinere Maschinen werden

Der neue Jet A350 werde zum Großteil in Frankreich produziert. Der Rumpf des Langstreckenjets werde jedoch in Deutschland gebaut, heißt es bei "Welt Online" und NDR 90,3 weiter. Dem Nachrichtenmagazin "Focus" zufolge werden Hamburg und das Airbus-Werk in Stade dadurch auch an der neuen Kohlefasertechnologie beteiligt, die im künftigen Flugzeugbau eine große Rolle spielen soll. Darüber gab es zuvor Auseinandersetzungen, weil die deutschen Werke befürchteten, von dieser fortschrittlichen Technologie abgehängt zu werden. Die Meinungsverschiedenheiten über die Produktionsverteilung beim A350 waren als Grund für die Verzögerung der "Power 8"-Bekanntgabe genannt worden. Ursprünglich hätte das Airbus-Sparprogramm bereits am 20. Februar veröffentlicht werden sollen.

Hamburg soll nach diesen Medieninformationen Zentrum für die kleineren Airbus-Maschinen werden. Dazu zählt auch der Verkaufsschlager A320. Bislang ist die Produktion zwischen Hamburg und Toulouse aufgeteilt. (tso/dpa)

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