Airbus-Krise : Hamburg bangt um den A380

Die Produktion des A380 soll Spekulationen zufolge von Hamburg nach Frankreich verlagert werden, doch die Hansestadt will weiter den Riesenjet mitfertigen. Als Ursache für die Krise sieht der Airbus-Betriebsrat falsches Management.

Hamburg - Die Erwartungen sind groß. Eine Jobmaschine soll der Airbus A380 für Hamburg sein. Ein Aushängeschild. Doch seit technische Probleme die Auslieferung des weltgrößten Passagierflugzeugs immer weiter verzögern, sind dunkle Wolken über dem Werk in Hamburg-Finkenwerder aufgezogen. Im Zuge der Sparmaßnahmen, munkeln französische Medien, könnte Hamburg die Beteiligung an der A380-Fertigung an Toulouse verlieren. Politik und Wirtschaft in der Hansestadt geben sich zwar nach außen hin gelassen, blicken aber durchaus mit Sorge nach Frankreich. Der Verlust des A380 wäre ein herber Rückschlag für den Airbus-Standort und seine 12.000 Beschäftigten.

Sollte Hamburg die zugesicherte A380-Innenausstattung, die Lackierung und die Auslieferung an Kunden in Europa und im Nahen Osten tatsächlich durch die Lappen gehen? Entschieden ist offenbar nichts. So stellte EADS-Co-Boss Thomas Enders laut Medienberichten klar, dass vorläufig noch keine Entscheidungen zur Produktionsverlagerung getroffen worden seien. "Diskussionen" über eine andere Aufgabenverteilung zwischen Hamburg und Toulouse gebe es aber schon.

Hamburger Wirtschaftsbehörde reagiert gelassen

Die Hamburger Wirtschaftsbehörde gibt sich angesichts der Spekulationen gelassen. "Der Produktionsstandort Hamburg ist optimal aufgestellt. Wir haben erstklassige Mitarbeiter und haben alle Vorgaben eingehalten", sagt Sprecher Arne von Maydell. In seinen Augen wäre eine Verlagerung wirtschaflich unsinnig und rechtlich nicht machbar. "Der Senat ist deshalb positiv und optimistisch."

Auch die Handelskammer Hamburg hält Panik für unangebracht. "Wir sehen derzeit nicht die Gefahr der Verlagerung - zumindest nicht, wenn es nach betriebswirtschaftlichen Kategorien geht", sagt Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz. Er verweist auch auf fast 750 Millionen Euro, die sich der Hamburger Senat den A380 bislang kosten ließ. Für 665 Millionen Euro wurde das Süßwasserwatt Mühlenberger Loch zugeschüttet, für weitere 44 Millionen Euro wurden für den Ausbau benötigte Grundstücke abgekauft und 38 Millionen Euro schoss der Senat zur heftig umkämpften Startbahn-Verlängerung zu. Nach jahrelangem juristischen Tauziehen hatten Hamburger Gerichte kürzlich grünes Lichte für das Bauvorhaben gegeben.

Bei aller Zuversicht bleibt die Hamburger Wirtschaftsbehörde wachsam. "Wir werfen einen scharfen Blick nach Frankreich und erinnern an die Zusagen", sagt Sprecher Maydell. Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Schmidt-Trenz sieht auch die Bundesregierung in der Pflicht. Diese müsse Schützenhilfe leisten, um den Einfluss anderer Regierungen auszugleichen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will genau das tun: Er werde bei einem für Donnerstag anberaumten Treffen mit Airbus-Chef Christian Streiff auf die Zusagen gegenüber der deutschen Seite pochen, kündigt er an.

Startbahn-Gegner fordern Bau-Stopp

Der Airbus-Betriebsrat sieht die Schuldigen für die A380-Krise im Management des Flugzeugbauers sitzen. Diese hätten einfach falsch geplant, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung mit der IG Metall Küste. Ein gegenseitiges Ausspielen der Standorte wollen die Arbeitnehmervertreter nun verhindern.

Morgenluft wittern hingegen die Gegner der Verlängerung der Hamburger Startbahn. Denn ohne das A380-Auslieferungszentrum würde auch eine längere Piste womöglich überflüssig, erklärt der Hamburger Luftfahrtexperte Karl-Werner Hansmann. Schließlich würde diese nur gebraucht, wenn der A380 und insbesondere seine Frachtversion, vollbetankt und komplett ausgestattet, in Richtung Kunde abheben würde. Hansmann hält es für möglich, dass der juristische Hickhack nun von vorne losgeht. "Airbus und die Stadt würden nicht zur Ruhe kommen", fürchtet er.

Die Sprecherin der Startbahn-Gegner, Gabi Quast, berät sich derzeit noch mit ihren Anwälten. Sie fordert den Stopp der Bauarbeiten. In ihren Augen dürften die Bagger angesichts der Verzögerungen bei der Auslieferung des A380 schon gar nicht mehr rollen. Denn die Eilbedürftigkeit, mit der Airbus und die Stadt die Verlängerung vorläufig vor Gericht durchgeboxt hätten, sei nun nicht mehr gegeben. (Von Julia Deppe, AFP)

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