Airbus-Krise : Studie erkennt grobe Managementehler

Ein EADS-Untersuchungsbericht benennt offenbar schwere Management- und Organisationsfehler als Faktoren der Unternehmenskrise. Verteidigungsminister Jung fordert eine Beteiligung des Staates.

Berlin - Besonders beim Großprojekt A380 sei das Missmanagement offenkundig gewesen, zitiert das Magazin "Focus" in seiner neuen Ausgabe aus der Studie. Die Chefetagen in Toulouse und Hamburg hätten von Problemen nichts wissen, sondern nur Erfolgsmeldungen hören wollen, sagte ein EADS-Manager. Seit Jahren sei die Unternehmenskultur bei dem Flugzeughersteller von einem Klima der Angst und des Misstrauens geprägt, heißt es laut "Focus" in dem Untersuchungsbericht. So sei auch hinsichtlich der Probleme mit dem Super-Jumbo A380 ein "Kartell des Totschweigens" entstanden. Die komplexen Verkabelungsprobleme aber, welche die Produktion des größten Passagierflugzeugs der Welt massiv ins Stocken geraten ließen, seien bis heute nicht behoben.

Die wiederholte Verschiebung der Auslieferung des A380 hat Befürchtungen geweckt, dass es zu einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen kommen könnte. EADS-Ko-Chef Thomas Enders bekannte sich zwar unlängst zum Standort Hamburg, vermied aber konkrete Aussagen zum möglichen Stellenabbau. DGB-Chef Sommer sagte dazu der "Bild am Sonntag", die Politik habe die "moralische und rechtliche Verpflichtung", von dem Flugzeugbauer die Rückzahlung von Staatsgeldern zu verlangen, wenn es zu Standortschließungen komme.

Staats-Betiligung an EADS gefordert

Laut "Focus" könnte die Stadt Hamburg an Airbus bei einem Abzug der dortigen A380-Endmontage massive Regressansprüche stellen. Dies gehe aus dem Vertrag vom 9. Juli 2004 hervor, den CDU-Wirtschaftssenator Gunnar Uldall und Airbus-Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken unterzeichnet hatten. Darin habe sich das Unternehmen verpflichtet, der Stadt bei Vertragsbruch ihre Investitionen in die Airbus-Werkserweiterung für den A380 zu ersetzen. Aber auch schon bei einer Verlegung des Auslieferungszentrums für den Riesenjumbo könnte Hamburg dem Magazin zufolge von dem Unternehmen rund hundert Millionen Euro einfordern.

Nach Informationen des "Spiegel" befürwortet Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) einen Einstieg des deutschen Staates bei EADS. Zwar sei er prinzipiell gegen die staatliche Beteiligung an Unternehmen, doch im Falle des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns sei die Lage anders, zitierte das Magazin den Minister. Es müsse verhindert werden, dass sich bei EADS "alles französisch entwickelt." Der französische Staat ist mit 15 Prozent an EADS beteiligt. Das Verteidigungsministerium ist als Abnehmer des Eurofighters sowie des geplanten Militärtransporters A400M einer der größten Kunden des Konzerns. (tso/AFP)

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