Wirtschaft : Airbus landet in Amerika

Das Unternehmen legt den Grundstein für eine erste Fabrik in der Heimat von Boeing.

von
Für jeden einen. Zahlreiche wichtige Leute aus dem Airbus-Konzern und dem Staat Alabama wollten in Mobile beim ersten Spatenstich mitmachen. Foto: Reuters Foto: REUTERS
Für jeden einen. Zahlreiche wichtige Leute aus dem Airbus-Konzern und dem Staat Alabama wollten in Mobile beim ersten Spatenstich...Foto: REUTERS

In wenigen Tagen gibt es eine Anhörung vor der Welthandelsorganisation WTO. Bei der inzwischen neun Jahre andauernden Auseinandersetzung geht es um Subventionen für Airbus und Boeing, die den Weltmarkt für Verkehrsflugzeuge dominieren. Am vergangenen Montag haben die Europäer einen Coup direkt vor der Nase des Konkurrenten gestartet. Sie legten den Grundstein für eine eigene Flugzeugfabrik in den USA.

Als Robert Bentley 2010 zum 53. Gouverneur von Alabama gewählt wurde, versprach er auf sein Gehalt zu verzichten, bis es keine Arbeitslosen mehr im Staat gibt. Seitdem sind 38 000 Jobs entstanden, und jetzt hat ihn Airbus näher an den ersten Gehaltsscheck gebracht. In der Hafenstadt Mobile am Golf von Mexiko betreiben die Europäer bereits ein Engineering-Center, in dem rund 220 Mitarbeiter die Innenausstattung für Großraumjets entwerfen. Dort sollte auch die Endmontage der Tankflugzeuge für die U.S. Air Force erfolgen, deren erste Ausschreibung die Airbus-Mutter EADS gemeinsam mit ihrem amerikanischen Partner Northrop-Grumman 2008 gewonnen hatte. Die Vergabe wurde annulliert, die zweite Ausschreibung zurückgezogen und im dritten Anlauf bekam dann doch Boeing den Zuschlag.

Jetzt schlägt Airbus zurück. 600 Millionen Dollar werden in der Kleinstadt investiert, 1000 Mitarbeiter eingestellt und 3000 weitere Jobs sollen bei Zulieferern entstehen. Doch auch der alte Kontinent profitiert: Jeder Job in den USA bringe neue Stellen in Europa, in diesem Jahr nach Angaben des Konzerns rund 3000. Allein in Deutschland sollen 1000 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden.

Kein Wunder, dass zum ersten Spatenstich alle Honoratioren des Staates Alabama erschienen waren und das Airbus-Führungsteam mit Standing Ovations begrüßten. An den Zufahrtstraßen war die Ortsfeuerwehr mit Leiterwagen im Großeinsatz, um Fahnen und Begrüßungstransparente aufzuhängen. In der Nacht waren alle wichtigen Gebäude im Airbus-Blau illuminiert. „Nach sieben Jahren haben wir es endlich geschafft“, freute sich Bürgermeister Samuel Jones.

Von einem „Meilenstein“ für die weitere Internationalisierung von Airbus sprach EADS-Chef Tom Enders gegenüber dem Tagesspiegel, der auf Einladung des Flugzeugherstellers an der Veranstaltung teilnahm. Der erste Jet der A 320-Familie soll hier 2016 ausgeliefert, die Produktionsrate bis Ende 2017 auf vier Flugzeuge im Monat gesteigert werden. Mit den in den USA endmontierten Maschinen will Airbus den dortigen „Buy American“-Patrioten den Wind aus den Segeln nehmen. Airbus-Chef Fabrice Bregier sieht große Chancen auf dem US-Markt, wo der Konzern erst einen Anteil von 17 Prozent hat – 40 Prozent sollen es werden. Einige der großen Airlines müssen alte Flotten ersetzen. Für die nächsten 20 Jahre sieht Airbus hier einen Bedarf von knapp 6000 Flugzeugen.

Den Löwenanteil machen dabei die kleineren Kurz- und Mittelstreckenjets aus. Hier haben Airbus und Boeing mit dem A 320neo und der 737MAX modernisierte Versionen mit neuen, treibstoffsparenden Triebwerken in der Entwicklung. Auf dem US-Markt ist die A320-Familie gut etabliert. Acht der elf großen Airlines fliegen mit dem Modell, American Airlines haben gerade 260 Maschinen geordert. Frontier Airlines, Jet Blue, Spirit Airlines und Virgin America betreiben reine Airbus-Flotten. Insgesamt fliegen 811 A 320 in den USA, weitere 821 sind von US-Airlines bestellt. Dazu kommen noch 453 Aufträge von in den Vereinigten Staaten ansässigen Leasingfirmen.

Aktuell deckt Airbus 42 Prozent seines Bedarfs bei Hunderten von Zulieferern in den USA. 2012 betrug das Auftragsvolumen rund 13,1 Milliarden Dollar. So baut Spirit Aero Systems in einer eigens dafür errichteten Fabrik in North Carolina Rumpfmittelteile für den neuen A 350, mit dem die Europäer der Boeing 787 Konkurrenz machen wollen.

„Wir können nicht behaupten, ein Global Player zu sein, wenn wir nicht nah bei unseren größten Märkten in China und Nordamerika sind“, sagte Bregier. Mobile wird bereits das vierte Endmontagewerk für den Erfolgsjet A 320, für den 3899 Aufträge vorliegen. 22 Maschinen laufen monatlich in Hamburg vom Stapel, 16 in Toulouse. Und seit vier Jahren werden im chinesischen Tianjin pro Monat vier weitere Flugzeuge gebaut. Damit ist Airbus künftig der einzige Flugzeughersteller auf drei Kontinenten. Das ist für Lieferanten nicht einfach. Da manche Zulieferer Probleme haben, hat Airbus entschieden, die Tochtergesellschaften Premium Aerotec (Deutschland) und Aerolia (Frankreich) vorerst nicht zu verkaufen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar