Airbus-Management : Gewerkschafter fordern Einblick in Sparpläne

Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte haben einen detaillierten Einblick in die Sparpläne des Airbus-Managements gefordert. Indes dementierte Airbus Presseberichte über einen möglichen Abgang des neuen Chefs Streiff.

Hamburg/Toulouse - "Die Beschäftigten brauchen endlich Sicherheit, was auf sie zukommt", sagte der Sprecher der IG Metall Küste, Peter Hlawaty. Das Management des Mutterkonzerns EADS versicherte unterdessen erneut, definitive Entscheidungen zu den Umstrukturierungen seien noch nicht getroffen worden, und zwar weder beim Superjumbo A380 noch beim Langstreckenflugzeug A350.

Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte aus den Airbus-Werken in Hamburg wollten am Freitag zu einem Krisengespräch zusammenkommen. Die Vorsitzende der IG Metall Küste, Jutta Blankau, kritisierte im NDR, widersprüchliche Aussagen des Managements hätten die Beschäftigten verunsichert. Zugleich äußerte sie aber die Erwartung, dass es in Hamburg keine Entlassungen gibt. Die Auftragssituation sei gut genug, um die Lieferverzögerungen beim A380 auszugleichen.

Hamburg bleibt erhalten

Europas oberster Metallgewerkschafter, Peter Scherrer, warnte unterdessen, die Beschäftigten dürften nicht zum Opfer der Krise und Spielball nationaler Interessen werden. "Die Arbeitnehmer wollen sich nicht auf deutsch-französische Grabenkämpfe einlassen. Bei allen Maßnahmen werden wir auf die nationale Ausgewogenheit achten", sagte Scherrer der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung". Die Krise sei nicht den Arbeitnehmern und den Standorten zuzuschreiben, sondern verfehltem Management und mangelhaften Führungsstrukturen.

Der Ko-Chef des Mutterkonzerns EADS, Thomas Enders, hatte am Vortag bei einem Krisentreffen mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zugesichert, dass Hamburg als zentraler Produktionsstandort von Airbus erhalten werden soll. Konkretere Aussagen zu einem möglichen Arbeitsplatzabbau machte er allerdings nicht. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium Dagmar Wöhrl (CSU), zeigte sich gleichwohl unbesorgt: "Ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass in Hamburg Arbeitsplätze in Gefahr sind", sagte sie im Inforadio vom rbb. Der "Geldesel" bei Airbus sei nicht der A380, sondern der A320.

Entscheidungen über Umstrukturierungen würden nicht getroffen, ehe nicht mit Vertretern der Beschäftigten gesprochen worden sei, versicherte unterdessen das EADS-Management. Dies gelte auch für die Zukunft einzelner Werke. Dieses Statement der Unternehmenleitung wurden von einem gemeinsamen Beratungsgremium von Management und Gewerkschaftern verbreitet.

Grundlegende Umstrukturierungen gefordert

Aktionärsschützer forderten unterdessen, die Krise bei EADS zu einem grundlegenden strukturellen Umbau des Konzerns zu nutzen. "Man sollte den Geburtsfehler, dass der französische Staat als Großaktionär an der EADS beteiligt ist, jetzt schnellstens beseitigen", sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger der "Berliner Zeitung". Deutschland müsse Einfluss nehmen, damit sich der französische Staat zurückziehe. Politische Entscheidungen dürften nicht gegenüber den betriebswirtschaftlichen dominieren.

Das Bundesverteidigungsministerium dementierte unterdessen, dass Airbus nicht nur beim A380, sondern auch beim Militärtransporter A400M Schwierigkeiten mit den Terminvorgaben hat. EADS habe bisher "plausibel machen" können, dass dieses Projekt weiter im Zeitplan liege, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Zeitung "Die Welt" hatte zuvor unter Berufung auf Rüstungskreise berichtet, dass Airbus die Militärmaschine ebenso wie den A380 nicht rechzeitig ausliefern könne. Die Bundeswehr werde den A400M erst 2012 und nicht wie geplant schon 2010 erhalten.

Spekulationen über Streiff-Abgang zurückgewiesen

Berichte über einen schnellen Abgang seines neuen Konzernchefs Christian Streiff hat Airbus vehement dementiert. Das Unternehmen weise derartige Spekulationen "kategorisch" zurück, sagte eine Sprecherin. Das französische Wirtschaftsmagazin "Challenge" und die Wirtschaftszeitung "La Tribune" hatten zuvor berichtet, Streiff sei als neuer Chef des Autobauers Peugeot im Gespräch, wenn der bisherige Konzernlenker Jean-Martin Folz Angang nächsten Jahres in den Ruhestand geht.

Streiff ist erst seit Anfang Juli Airbus-Chef und hat der Führung des Mutterkonzerns EADS wegen der Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A380 einen milliardenschweren Sparplan vorgelegt. Dieser ist konzernintern allerdings offenbar umstritten, weshalb die Entscheidung über wesentliche Einschnitte vertagt wurde.

"Nach übereinstimmenden Quellen hat sich Christian Streiff bei der Präsentation des Plans sehr einsam gefühlt", hieß es in "La Tribune". Den Plan habe er dann "auf Verlangen der Aktionäre und vor allem auf Druck des französischen Finanzministeriums abschwächen müssen". Die Eigner-Familie von Peugeot habe Streiff nun "zu ihrem Favoriten für die Nachfolge von Jean-Martin Folz gemacht", berichtete "Challenge" unter Berufung auf das Umfeld der Peugeot-Familie, die gut 30 Prozent an dem Autobauer hält. Der 59-jährige Folz hatte Anfang Dezember überraschend seinen Rückzug im ersten Quartal 2007 angekündigt. Er hat Peugeot fast zehn Jahre lang geleitet. Ein Peugeot-Sprecher sagte, der Nachfolger von Folz werde bis Ende des Jahres bestimmt. (tso/AFP)

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