Wirtschaft : Airbus-Reform angemahnt

Vor wachsender Konkurrenz der Amerikaner gewarnt

LE BOURGET(AFP).Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt hat bei einer Airbus-Ministerkonferenz am Montag auf eine schnelle Umstrukturierung des europäischen Flugzeugkonsortiums gedrängt.Es sei dabei "unverzichtbar, daß die vier Partnerunternehmen ihre wesentlichen Betriebsstätten einbringen", sagte er am Rande der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Le Bourget bei Paris laut vorab verbreitetem Redetext.Rexrodt begründete seine Forderung mit der Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung, die durch die Fusion des US-Giganten Boeing mit dem kleineren Konkurrenten McDonnell Douglas ausgehe.Im übrigen rechne er mit einer baldigen Entscheidung über die Beschaffung des Eurofighters.Bund und Industrie loteten die Möglichkeit einer vorzeitigen Rückzahlung der Airbus-Förderung aus. An dem Airbus-Konsortium sind die deutsche Daimler-Benz (Dasa) und die französische Aerospatiale zu jeweils 37,9 Prozent sowie British Aerospace mit 20 Prozent und die spanische Casa mit 4,2 Prozent beteiligt.Rexrodt warnte nach dem Treffen mit seinen vier Ministerkollegen davor, daß der Zusammenschluß zwischen Boeing und McDonnell Douglas "alle bisherigen Dimensionen" sprenge.Der neue US-Konzern übertreffe mit einem anvisierten jährlichen Umsatz von 48 Mrd.Dollar (rund 83 Mrd.DM) deutlich die Leistungsfähigkeit der gesamten europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie, die derzeit bei etwa 23 Mrd.Dollar (rund 39,8 Mrd.DM) liege."Die deutsche und europäische Luftfahrtindustrie haben nach meiner Ansicht nur dann eine Chance, wenn sie gemeinsam antreten und ihre Kapazitäten integrieren", sagte der Wirtschaftsminister.Bei der Reform müßten deutsche Standorte in angemessenem Rahmen erhalten bleiben.Die vier Airbus-Partner hatten im Januar beschlossen, das bislang lockere Konsortium als Kern eines europäischen Luftfahrt- und Verteidigungskonzerns bis 1999 in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln.Über die Modalitäten gibt es aber unterschiedliche Auffassungen.Insbesondere die Staatsbetriebe Aerospatiale und Casa stehen einer Übertragung von Fabriken und Entwicklungsabteilungen an die neue Airbus-Struktur zurückhaltend gegenüber.Der Konflikt zwischen Airbus und Boeing hatte den Auftakt des 42.Aerosalons von Le Bourget geprägt.Airbus-Direktor Jean Pierson drohte den drei US-Fluglinien, die mit Boeing langfristige Exklusivverträge geschlossen haben, rechtliche Konsequenzen an.

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