Airbus-Sanierung : Glos will auch Zulieferer im Auge behalten

Beim anstehenden Stellenabbau im deutsch-französisch dominierten Airbus-Konzern will die deutsche Seite auch die Zulieferer-Industrie wachsam beobachten. Morgen trifft sich der Bundeswirtschaftsminister mit Airbus-Chef Gallois.

Berlin - Ein Abbau der Arbeitsplätze an den deutschen und französischen Airbuswerken im Verhältnis 1:1 sei nicht möglich, machte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) deutlich. Daher müsse man bei den Entscheidungen auch die Aufträge an Zulieferer und deren Arbeitsplätze in die Überlegungen mit einbeziehen. Betriebsräte befürchten den Verlust von bis zu 8000 Arbeitsplätzen an den deutschen und französischen Standorten des Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns. Glos trifft an diesem Dienstag in Berlin mit Airbus-Chef Louis Gallois zusammen.

Einheitliche Strategie

Glos und die vom Airbus-Sanierungskonzept "Power8" betroffenen Länder - Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Baden-Württemberg - machten deutlich, dass sie eine einheitliche Strategie in den Gesprächen mit dem Konzern-Management von Airbus und der Airbus-Mutter EADS verfolgen wollen. Man wolle sich nicht auseinander dividieren lassen, sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP). Glos stellte klar, dass die Gespräche mit der französischen Seite und dem Konzern-Management "selbstverständlich" über den Bund liefen. Gegensätzliche Darstellungen seien "nicht förderlich" für das Gesamtinteresse.

Das Treffen der Wirtschaftsminister galt auch der Vorbereitung des Gesprächs von Glos mit Gallois. Die Begegnung sei zunächst ohne Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geplant, sagte der Bundeswirtschaftsminister. Falls es sich aber als "nötig erweise", werde auch die Kanzlerin hinzukommen. Er gehe nicht davon aus, dass bei dem Treffen bereits Lösungen vorgelegt würden. Es gehe lediglich um den Austausch der bisherigen Vorstellungen. Sobald "Power8" auf dem Tisch liege, gebe es eine erneutes Treffen, bei dem dann die deutschen Interessen deutlich gemacht werde.

Glos beharrte auf einer "gleichgewichtigen" Verteilung der Restrukturierungsmaßnahmen bei Airbus. Man habe keine Zweifel am deutschen Management, aber man wolle ihm auf diesem Wege den Rücken stärken. Weiter sagte Glos, die Zuliefererstruktur in Deutschland sei deutlich mehr zersplittert als in Frankreich. Es gelte, einen Prozess der Konzentration der Zulieferer zu begleiten.

Technologiestandort Deutschland soll gesichert werden

Die Wirtschaftsminister zeigten sich entschlossen, in diesem Restrukturierungsprozess den Technologiestandort Deutschland und die Kompetenzen dafür zu sichern. Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) machte klar, dass es für die Endfertigung und die Auslieferung des Großraumflugzeugs A380 in Hamburg Verträge gebe, und die müssten eingehalten werden. Darüber könne jetzt nicht verhandelt werden. Im übrigen habe man Erfahrung bei der Kabinenausstattung. Dies spreche dafür, dass man auch Kabinenausstattung und Rumpf des A350 in Hamburg ansiedle. Ähnlich argumentierten Pfister und der Bremer Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek (CDU).

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) betonte im ZDF-Morgenmagazin: "Innerhalb Deutschlands haben wir eine gemeinsame Position. Das hat sich in den vergangenen Tagen gezeigt, als wir für 1,5 Milliarden Euro gemeinsam mit privaten Banken" den Daimler-Chrysler-Anteil von 7,5 Prozent an EADS übernommen haben, sagte Wulff. Bisher habe man sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Entscheidend für ihn sei, dass "Deutschland fair behandelt" wird. "In den letzten Jahren hat sich die französische Seite zu stark durchgesetzt." (tso/dpa)

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