Wirtschaft : Airbus: Start frei für das europäische Großraumflugzeug A3XX

Der geplante Bau des europäischen Großraumflugzeugs A3XX sichert rund 160 000 Stellen. 40.000 bis 60.000 Stellen werden neu geschaffen, davon entfallen 4000 auf Hamburg.Das erklärte Airbus-Chef Noel Forgeard am Freitag im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz der Airbuspartner aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Spanien in Paris. Die Regierungen sprachen von einem Meilenstein in der industriellen Integration Europas.

Bisher haben acht Fluglinien und Leasing-Gesellschaften ihr Interesse am Kauf von bis zu 50 A3XX geäußert und Optionen für den Erwerb von weiteren 19 angekündigt. "Der Markt hat laut und deutlich signalisiert, dass er den A3XX will", sagte Forgeard. Airbus-Vizechef John Leahy erklärte, die von Boeing als Reaktion auf den A3XX geplante verlängerte Version des Jumbo-Jets sei keine Bedrohung für das Airbus-Projekt. Die Boeing 747X sei nur eine modernisierte Version eines 30 Jahre alten Modells.

Einige Analysten sind dennoch skeptisch, ob die Nachfrage groß genug sein wird, um die geschätzten zwölf Milliarden Euro (25 Milliarden Dollar) Entwicklungskosten für den A3XX wieder hereinzuholen. So warnte US-Branchenexperte Paul Nisbet von JSA Research, es könne Jahrzehnte dauern, bis der A3XX profitabel werde. EADS rechnet dagegen damit, in neun bis zehn Jahren die Gewinnschwelle bei dem Projekt zu erreichen. Dazu seien weniger als 250 feste Bestellungen nötig.

Die Airbus-Partner kündigten gleichzeitig die Umwandlung ihres Konsortiums in die Airbus Integrated Company (AIC) an, an der die EADS 80 Prozent und BAe Systems 20 Prozent der Anteile halten soll. Die neue Gesellschaft werde ihren Sitz in Toulouse haben und 40 000 Mitarbeiter beschäftigen. Vorstandschef werde Noel Forgeard, der bislang das Airbus-Konsortium führt und auch bei EADS für dieses Geschäft zuständig sein wird. BAe Systems erhalte ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen, das bis zu einer Option auf einen Verkauf des Airbus-Anteils reicht. Die Airbus-Partner rechnen durch die Umwandlung mit 350 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr vom Jahr 2004 an. Nach Pro-Forma-Zahlen erzielte die AIC 1999 bei 15,7 Milliarden Euro Umsatz einen Betriebsgewinn von einer Milliarde Euro.

Die EADS, die aus der Fusion der DaimlerChrysler-Tochter Dasa, der französischen Aérospatiale Matra und der spanischen Casa hervorgeht, kündigte auf einer separaten Pressekonferenz an, dass bei ihrem Börsengang Privatanleger je Aktie einen Euro Rabatt auf den Ausgabekurs erhalten sollten. Der weltweit drittgrößte Luft- und Raumfahrtkonzern hinter den US-Firmen Boeing und Lockheed Martin soll am 10. Juli an die Börsen in Paris, Frankfurt und Madrid gehen. Die EADS-Aktie soll in die Börsenindizes in Paris (CAC-40) und Madrid (Ibex-35) aufgenommen werden. Ein Sprecher der Deutschen Börse dementierte Äußerungen von EADS, wonach es auch Gespräche mit der EADS über eine Aufnahme in das deutsche Börsenbarometer Dax gegeben habe. Der DAX ist bislang deutschen Unternehmen vorbehalten, die EADS ist aber eine Gesellschaft nach niederländischem Recht.

Insgesamt will EADS bis zu 166,5 Millionen Aktien an die Börse bringen. In dieser Zahl ist eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von bis zu 21,7 Millionen Aktien enthalten. Der Streubesitz werde bei Ausübung des Greenshoe rund 30 Prozent betragen. Davon soll mindestens ein Drittel auf Privatanleger entfallen. In diesem Jahr rechnet der EADS-Konzern nach eigenen Angaben mit einem stagnierenden Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit), von 2001 an werde dieses Ergebnis aber "stark" wachsen. Der Ausgabepreis der EADS-Aktien wird nach den Angaben im Rahmen des am Freitag begonnenen Bookbuilding-Verfahrens auf Basis der Nachfrage ermittelt. Er soll sich am Kurs der Aerospatiale-Matra-Aktien orientieren, die am Nachmittag um 0,7 Prozent niedriger bei 23,33 Euro notierten.

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