Wirtschaft : Airbus: Startschuss für Großflugzeug A 380

Airbus startet das größte Verkehrsflugzeug aller Zeiten. Die A 380 (bisher A3XX) genannte Maschine soll bis zu 656 Passagieren Platz bieten. Die Airbus-Anteilseigner EADS (80 Prozent) und BAe Systems (20 Prozent) gaben am Dienstag in Toulouse grünes Licht für das 12,1 Milliarden Euro-Projekt, nachdem Bestellungen für 50 Maschinen eingegangen sind. "Die Entscheidung leitet eine neue Epoche in der Geschichte der Luftfahrt ein", verkündeten die beiden Airbus-Aufsichtsratschefs Manfred Bischoff und Jean-Luc Lagardère. Überschattet wurde der Start des größten europäischen Flugzeugprojektes von Warnungen der USA vor staatlichen Zuschüssen sowie von einer Justizentscheidung, die den Baustart am Airbus-Standort Hamburg verzögert.

Der neue Super-Airbus soll mehr Passagiere befördern und weiter fliegen können als jedes andere Flugzeug. Er soll damit das 30 Jahre alte "Jumbo"-Monopol des US-Konkurrenten Boeing brechen. Das Projekt soll zehntausende Arbeitsplätze in Europa sichern. Mit der Dimension des Flugzeugs und den an Bord gebotenen Annehmlichkeiten soll der vierstrahlige Gigant der Lüfte nicht nur den Flugverkehr revolutionieren, sondern auch für eine Entspannung der Situation auf überlasteten Flughäfen sorgen. "Der A 380 wird das Flaggschiff der europäischen Luftfahrtindustrie", betonte Bischoff. Als Passagierflugzeug für das 21. Jahrhundert stelle er eine völlig neue technologische Generation im Flugzeugbau dar. Airbus-Chef Noel Forgeard unterstrich die Bedeutung des Programms für das Angebotsspektrum des Herstellers: "Wir schließen mit dem Start der A 380 die letzte große Lücke in unserer Produktpalette." Airbus erwartet einen Bedarf von 1500 Jets der A 380-Klasse bis 2020 und will die Hälfte des Weltmarktes der Großraumjets erobern.

Die beiden EADS-Vorstandschefs Rainer Hertrich und Philippe Camus erklärten übereinstimmend: "Die A 380 wird ein großer wirtschaftlicher Erfolg und die EADS in eine neue Dimension profitablen Wachstums führen." Der Börsenneuling EADS war vor einem halben Jahr aus der Fusion der Münchner Daimler-Chrysler-Tochter Dasa, der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen Casa entstanden.

Die Vorbereitungen zum Bau des Großflugzeugs in Hamburg verzögern sich durch Einsprüche von Anwohnern und Umweltschützern. Das Hamburger Verwaltungsgericht gab zwei Klagen Recht und stellte deren aufschiebende Wirkung gegen das ökologisch umstrittene Projekt wieder her. Der Hamburger Senat kündigte daraufhin Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) an. Damit verzögern sich die Vorbereitungen zur Erweiterung des Werksgeländes im Vorort Finkenwerder. Für Hamburg entsteht nach Einschätzung des Senats damit die Gefahr, nicht in die Teilfertigung des A 380 einbezogen zu werden. In Hamburg soll die Inneneinrichtung eingebaut werden. Dazu wäre die Teilzuschüttung der Elbbucht Mühlenberger Loch erforderlich. Der deutsche EADS Airbus-Chef Hans-Joachim Gante sagte zu der Gerichtsentscheidung: "Der Zeitpunkt für die Werkserweiterung hat sich zwar verzögert, trotzdem wird der A 380 im Rahmen der Endmontage in Hamburg gebaut werden." Derzeit werde daran gearbeitet, die Verzögerung aufzufangen, damit der Zeitplan für die Produktion gehalten werden könne.

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