Airbus-Studien : Streit um Standortqualitäten

Interne Studien zur Produktivität der Airbus-Werke zeigen nach Informationen aus Konzernkreisen keine entscheidenden Unterschiede. Eine weitere Studie kam dagegen zu dem Ergebnis, dass deutsche Standorte produktiver als französische sind.

Paris/München - "Solche Studien machen wir seit langem, um zu sehen, wo wir im Konzern voneinander lernen können", erklärten Konzernkreise. "Die Werke liegen alle im gleichen Bereich: Das eine ist hier besser, das andere dort." Airbus-Chef Louis Gallois hatte im Januar in Paris ebenfalls erklärt, die Produktivität der Werke sei vergleichbar.

Der "Focus" berichtete dagegen am Samstag, eine Studie für das Airbus-Sanierungsprogramm "Power8" habe ergeben, dass deutsche Werke produktiver als französische seien. Bei einer möglichen Bestnote von 5,0 habe Broughton (Großbritannien) mit 3,28 Punkten am besten abgeschnitten vor Bremen (3,23). Buxtehude sei mit 2,40 das Schlusslicht gewesen. Das Münchner Nachrichtenmagazin errechnete aus den Werten eine Länder-Rangliste, in der Deutschland mit 2,90 vor Frankreich mit 2,83 und Spanien mit 2,65 Punkten kam. Spitze waren demnach die Briten mit 3,01 Punkten.

Französische Studie hält dagegen

Zuvor hatte eine Studie der Unternehmensberatung Stratorg für Wirbel gesorgt, der zufolge Airbus France schon erheblich mehr zur Produktivitätssteigerung getan habe als Airbus Deutschland. Laut der von französischen Gewerkschaften finanzierten Studie wurden in Frankreich schon 55 Prozent der Entwicklung und 45 Prozent der Fertigung ausgegliedert, davon drei Viertel an Firmen im Ausland. In Deutschland werde dagegen auch Zulieferarbeit im Lande gehalten. Anders als die Deutschen hätten die Franzosen zudem wegen "Power8" schon mit dem Abbau von zehn Prozent der Verwaltungsstellen begonnen.

Airbus wird die Arbeitnehmervertreter voraussichtlich am 20. Februar über mögliche Umstrukturierungen der Fertigung im Rahmen von "Power8" informieren. In Paris wird erwartet, dass Airbus dabei keine Ausgliederung von Werken ankündigen, sondern Produktivitätsziele und Optionen nennen wird. Es obläge dann den Werken, die Ziele im Konzernverbund zu erreichen oder Arbeiten nach außen zu verlagern.

Der Rundfunksender NDR 90,3 berichtete unterdessen unter Berufung auf "Wirtschaftskreise", der Vorstand des Airbus-Mutterkonzerns EADS wolle bereits Ende kommender Woche eine Vorentscheidung über die strategische Ausrichtung des Unternehmens und die Standorte für die kommenden zehn Jahre treffen. (tso/dpa)

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