Wirtschaft : Airbus verschiebt Hiobsbotschaften

Heute sollte Klarheit über die Sanierung herrschen - Jetzt reden erst mal Merkel und Chirac darüber

M. Döbler/J. Schäuble

Berlin - Unter den Airbus-Ländern Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien gibt es Streit über die Arbeitsaufteilung beim neuen Langstreckenflieger A 350. Der Mutterkonzern EADS unterbrach am Sonntagabend überraschend seine Beratungen und verschob die angekündigte Vorstellung des Sanierungsplans „Power 8“. Das Treffen werde in den nächsten Tagen fortgesetzt, teilte der Flugzeugbau- und Rüstungskonzern am Montag mit. Am heutigen Dienstag sollten Betriebsräte und Öffentlichkeit über die Sparpläne informiert werden.

Laut EADS-Co-Chef Thomas Enders ringt der Konzern noch um die beste Lösung. Nach französischen Medienberichten könnte der Anteil Hamburgs an der A-350-Fertigung auf zehn Prozent sinken. Airbus-Chef Louis Gallois, der mit Enders an der Spitze von EADS steht, betonte die Notwendigkeit, „sehr schnell eine Lösung zu finden, die nationale Probleme überwindet“. Seine Vorschläge seien aus industrieller und technologischer Sicht ausgewogen und dienten der Wettbewerbsfähigkeit von Airbus. „Ich hoffe, sie führen zu einem Konsens, den wir dringend brauchen“, sagte Gallois.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Deutschland, Rüdiger Lütjen, zeigte sich irritiert: „Wir hatten gehofft, dass mit der Bekanntgabe von ,Power 8‘ die Zeit der Gerüchte endlich vorbei ist.“

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) äußerte dagegen Verständnis für die Verzögerung. Er begrüße ein vorsichtiges Vorgehen, sagte Glos in Brüssel. Aus dem Umfeld von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlautete lediglich, „Power 8“ sei ein so umfassendes Anpassungsprogramm, dass man sich ruhig ein paar Tage mehr Zeit nehmen könne. Airbus war unter anderem durch Lieferschwierigkeiten beim Superjumbo A 380 in die Krise geraten. Durch die Verzögerung bei dem weltgrößten Passagierflugzeug wird Airbus nun erst ab der 420. Auslieferung des A 380 verdienen. Ursprünglich war die Gewinnzone bei 250 Stück angesetzt worden.

EADS will bis 2010 fünf Milliarden, dann jährlich zwei Milliarden Euro einsparen. Die Verwaltungskosten sollen um 30 Prozent sinken, die Fertigung soll wirtschaftlicher auf die Werke verteilt werden. Auch sollen vermehrt Partner einbezogen und Werke möglicherweise verkauft werden. In Niedersachsen stehen offenbar Varel, Nordenham und Buxtehude zur Disposition. Gewerkschaften fürchten den Verlust von 10 000 der 23 000 Stellen.

In deutschen Regierungskreisen hieß es, diese Zahlen seien nicht unrealistisch. Wichtig sei eine faire Lastenverteilung zwischen Frankreich und Deutschland. „Power 8“ sei für die langfristige Erhaltung der Arbeitsplätze unausweichlich.

Unterdessen kündigte der kanadische Flugzeug- und Eisenbahnbauer Bombardier an, seine Luftflotte um eine Maschine für 100 Passagiere zu erweitern. Dafür gebe es schon 38 Bestellungen, erklärte Bombardier. Das Flugzeug soll der Boeing 737 und der A-320-Familie von Airbus Konkurrenz machen. Bombardier ist weltweit der drittgrößte Hersteller von Zivilflugzeugen.

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