Airlines : Air France prüft Fusion mit Alitalia

Nach langem Zögern prüft der größte europäische Luftfahrtkonzern Air France-KLM eine Fusion mit der von der Pleite bedrohten Alitalia. Italiens Ministerpräsident Prodi ist aber skeptisch.

Paris - Die Partner hätten auf Wunsch der Italiener eine Erkundungsphase eingeleitet, um Sanierungsmöglichkeiten bei Alitalia, Vorstellungen einer gemeinsamen Strategie sowie mögliche Kosteneinsparungen bei einer Fusion auszuloten, sagte Air-France-KLM-Chef Jean-Cyril Spinetta. Er glaube, "dass eine Annäherung beider Gruppen Werte schaffen wird". Entschieden sei aber nichts. Italiens Regierungschef Romano Prodi warnte vor einem Ausverkauf der nationalen Airline.

Die französisch-niederländische Air France-KLM ist schon lange für eine Übernahme von Alitalia im Gespräch, die zu 49,9 Prozent dem italienischen Staat gehört. Spinetta bekräftigte die bisherige Position, dass die italienische Gesellschaft erst saniert werden müsse. Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli bekam von der Regierung in Rom Zeit bis Anfang Januar, um einen Sanierungsplan vorzulegen. In diesem Jahr rechnet Alitalia mit Verlusten, die das Minus von 167 Millionen Euro vom Vorjahr noch übertreffen. Spinetta verwies darauf, dass beide Unternehmen seit ihrer vor fünf Jahren geschlossenen Partnerschaft immer die Möglichkeit einer Fusion erwogen hätten. Beide gehören zur Luftfahrt-Allianz Skyteam. 2001 hatten sie jeweils zwei Prozent am Partner übernommen.

"Ich habe große Zweifel"

Prodi will das Thema am Freitag mit Staatspräsident Jacques Chirac beim italienisch-französischen Gipfel in Lucca beraten. "Ich habe große Zweifel", sagte der Italiener der Pariser Zeitung "Le Figaro". Er wolle etwas über "die wahren Absichten von Air France" erfahren und frage sich, ob die Franzosen sich über Alitalia nicht bloß des großen italienischen Luftfahrtmarktes bemächtigen wollten.

Die Alitalia-Aktie legte an der Mailänder Börse am Vormittag gut drei Prozent auf 97 Cent zu. An der Pariser Börse rief die Aussicht auf eine Fusion wenig Begeisterung hervor: Der Air-France-Anteil rutschte zweitweilig unter die 30-Euro-Marke und stand am Mittag noch knapp 6,5 Prozent im Minus bei 30,17 Euro. Daran änderte auch die am Donnerstag verkündete Steigerung des Betriebsergebnisses im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (Juli bis September) nichts. Dort schaffte die im Frühjahr 2004 aus Air France und KLM fusionierte Gesellschaft trotz hoher Kerosin-Preise ein Plus von 7,8 Prozent auf 568 Millionen Euro. (tso/AFP)

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