Wirtschaft : Airlines: British Airways friert Gehälter ein

ebe/tom

Die Verkehrskommissarin der EU, Loyola de Palacio, will den Umbau der europäischen Luftfahrtindustrie beschleunigen. Bei der Vorstellung eines EU-Maßnahmenpakets zur Linderung der Folgen der Terroranschläge in den USA sprach sie sich klar gegen allgemeine staatliche Beihilfen für die Branche aus: "Was am 11. September geschehen ist, darf nicht dazu führen, dass die Umstrukturierung der europäischen Luftfahrtindustrie verhindert wird. Wir müssen sogar versuchen, sie zu beschleunigen", sagte de Palacio am Mittwoch. Bisher schieben staatliche Beihilfen den längst fälligen Ausleseprozess hinaus. Prominentes Beispiel ist die hochdefizitäre Sabena, die immer wieder mit Hilfen des belgischen Staates aufgepäppelt wurde. Bereits im Dezember 2000 hatten sich die Konkurrenten Lufthansa, KLM und British Airways bei der EU-Kommission darüber beschwert - das Schreiben blieb jedoch bislang unbeantwortet. Die Airlines klagen, die Finanzspritze verstoße gegen das EU-Beihilferecht, das nur einmalige Staatshilfen erlaube. Am Mittwoch erinnerte die Deutsche Lufthansa an ihr Klageschreiben. Dessen ungeachtet hat die belgische Regierung entschieden, ihrem Dauerpatienten Sabena einen weiteren Rettungskredit in Höhe von 125 Millionen Euro zu gewähren. Die EU muss den Kredit noch billigen.

Einen Monat nach den Terroranschlägen stehen vor allem unprofitable Staats-Carrier wie die Sabena oder die irische Aer Lingus (siehe nebenstehenden Artikel) dicht vor dem Aus. In Belgien kündigte der Sabena-Konkurrent Virgin Express an, Routen zu übernehmen, die von der überschuldeten Airline gestrichen wurden. Erst kürzlich hatte Sabena die Ziele Washington, Tokyo, Beirut, Verona und Faro aus dem Flugplan genommen. Vor dem Hintergrund der Sabena-Krise erwartet die EU-Verkehrskommissarin de Palacio, dass es in Zukunft nur noch vier bis fünf internationale europäische Fluggesellschaften geben dürfte: "Die Ideologie, die den Erhalt der nationalen Fluggesellschaften fordert, muss aufgegeben werden", betonte die Spanierin. Einen Grund für den schleppenden Wandel in Europa sieht de Palacio in den vielen bilateralen Luftfahrtabkommen der Mitgliedsstaaten mit den USA. Dadurch seien Fusionen und Übernahmen Grenzen gesetzt worden, weil diese sofort mit einem Verlust von Landerechten in den USA verbunden seien. Daher sei es wichtig, dass die EU von den Mitgliedstaaten das Verhandlungsmandat für ein gemeinsames Abkommen über den transatlantischen Flugverkehr erteilt bekomme, forderte die Kommissarin. Europäische Airlines dürften jedoch gegenüber der Konkurrenz nicht geschwächt werden. Die Fluggesellschaften können daher bei der wirtschaftlichen Bewältigung der Anschläge in den USA auf begrenzte staatliche Unterstützung hoffen. De Palacio bestätigte gestern, dass die Verluste durch die viertägige Sperrung des US-Luftraums ausgeglichen werden können. Auch bei den Zusatzkosten auf Grund massiv erhöhter Versicherungsprämien und weiterer Sicherheitsmaßnahmen dürfen die Staaten helfen.

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