Wirtschaft : Airlines: Erste Fluggesellschaft verlangt Sicherheitszuschlag

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Höhere Versicherungsprämien und umfangreichere Sicherheitsmaßnahmen der Airlines bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Ticketpreise. Während die meisten Gesellschaften noch zögern, kündigte die niederländische KLM als erste Fluggesellschaft am Montag an, einen Sicherheitszuschlag von fünf Dollar pro Ticket zu verlangen. Vom 16. Oktober an würden die Flugscheine in die USA, den Nahen Osten und nach Israel um fünf Prozent teurer.

Auch der Lufthansa-Aufsichtsrat hatte auf seiner jüngsten Sitzung am 19. September "deutliche Preiserhöhungen" angekündigt, aber noch keine konkreten Schritte bekannt gegeben. Am Wochenende kündigte Lufthansa-Chef Jürgen Weber den Einsatz von Sky-Marshals (Siehe Lexikon S.18) an. Das sind bewaffnete Flugbegleiter, die gezielt auf bestimmten Flugrouten eingesetzt werden. Neben zusätzlichen Sicherheitskontrollen hat Lufthansa außerdem den Einbau verstärkter Cockpit-Türen für die gesamte Flotte in Auftrag gegeben und 20 der 236 Flieger aus dem Verkehr gezogen. Acht weitere Flugzeuge würden noch stillgelegt, sagte Unternehmenssprecher Thomas Jachnow am Montag. Inwieweit sich diese und mögliche zusätzliche Maßnahmen auf die Flugpreise auswirken, sei noch nicht abschließend geklärt, hieß es. Außerdem müssten die Ergebnisse der Verhandlungen mit den Versicherungen abgewartet werden. Der Lufthansa-Chef hatte in einem Gespräch mit der "Welt" erklärt: "Wenn jeder Flug im Schnitt zehn Mark teurer wird, ist dies sicher für den Einzelnen erträglich."

Auch andere Linienfluggesellschaften zögern noch. Denn nach den Anschlägen in USA hat sich die wirtschaftlich bedingte Zurückhaltung der Kundschaft im Linienflugverkehr erheblich verstärkt. Noch vor wenigen Tagen wollten Umfragen zufolge knapp ein Viertel der Deutschen auf fest geplante Flüge verzichten. Mittlerweile hat sich die Lage nach Auskunft von Start Amadeus zwar etwas beruhigt. Das Unternehmen wickelt rund 85 Prozent der Buchungsaufträge deutscher Reisebüros ab. Doch höhere Ticketpreise, sagt Mathias Christmann vom Privatbankhaus Delbrück, können sich die Airlines nach wie vor eigentlich nicht leisten. Weil den Fluggesellschaften aber neben rückläufigen Buchungszahlen nun die Verteuerung der Versicherungsprämien zu schaffen machen, wird intensiv über höhere Ticketpreise und Kapazitätsstillegungen diskutiert. Die hoch verschuldete Swissair kündigte am Montag neben einer Verkleinerung des Streckennetzes und der Langstreckenflotte die Entlassung von mindestens 3000 Beschäftigten der Catering-Sparte Gate Gourmet an.

Unentschlossenheit herrscht derweil in den Zentralen der führenden deutschen Reisekonzerne. Preussag-Sprecher Herbert Euler erklärte, man sei noch nicht zu einem konkreten Ergebnis gekommen. Beim Reisekonzern Rewe sieht man das ähnlich. Anette Forre, zuständig für Pauschalreisen, sagte, immerhin bliebe für Urlauber, die eine Pauschalreise in der kommenden Wintersaison oder auch Sommersaison planten, voraussichtlich alles beim Alten: "Wir haben uns bei den Hotels und Fluggesellschaften bereits eingedeckt. Die Kalkulation steht." Tatsächlich müssen Ferienflieger wie Air Berlin, LTU oder Hapag Lloyd, sofern sie mit Reiseveranstaltern zusammenarbeiten, im Unterschied zu den Linienfluggesellschaftenbei geplanten Preiserhöhungen gegenüber den Kunden bestimmte Fristen einhalten. "Aus dem Stand können wir die Ticketpreise nicht verteuern", sagt Peter Hauptvogel von Air Berlin. Im Übrigen plane der Berliner Ferienflieger dies auch gar nicht. Zuschläge für Pauschalreisen im Nachhinein sind gleichwohl möglich. Auch vor einem Jahr verlangten die Reiseveranstalter einen Kerosinzuschlag, weil sich die Ölpreise kräftig erhöht hatten. Preiserhöhungen oder -aufschläge , sagt denn auch Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler, kann derzeit keiner ausschließen.

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