• Airlines kritisieren Sicherheitswahn der USA Luftfahrt ist immer noch im Ausnahmezustand / Biometrische Verfahren sollen Kontrollen erleichtern

Wirtschaft : Airlines kritisieren Sicherheitswahn der USA Luftfahrt ist immer noch im Ausnahmezustand / Biometrische Verfahren sollen Kontrollen erleichtern

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Schanghai (dpa). Die Luftfahrtbranche will im ersten Jahr nach den Terrorangriffen vom 11. September ihren Gesamtverlust halbieren. „Das ist das beste, was wir für 2002 erwarten können“, sagte der Generaldirektor der Internationalen Luftfahrtvereinigung (IATA), Pierre Jeanniot, zum Auftakt der ersten Jahrestagung der IATA nach dem 11. September am Montag in Schanghai. Auch als Folge des Terrors in den USA hatte die gesamte Luftverkehrsindustrie im vergangenen Jahr einen Verlust von zwölf Milliarden US-Dollar gemacht.

Sollte die Branche ihr Ziel erreichen, läge der Verlust aber immer noch höher als nach dem Golfkrieg Anfang der 90er Jahre. Damals war die internationale Luftfahrt mit 4,8 Milliarden US-Dollar in die roten Zahlen gerutscht. „Die Zahlen aus dem ersten Quartal dieses Jahres waren nicht wirklich ermutigend“, meinte Jeanniot zu den Erwartungen für 2002. Jeanniot wird in Schanghai sein Amt als IATA-Chef abgeben. Sein designierter Nachfolger, der Italiener Giovanni Bisignani, rechnet mit einer Erholung der Luftfahrt frühestens für 2004. „Im kommenden Jahr wird der Verlust auch noch zwischen vier und acht Milliarden Dollar liegen“, sagte er. Der weltweite Luftverkehr sei noch immer in einem „Zustand der Not“.

Bei der zweitägigen Tagung in Schanghai will sich die IATA neben der wirtschaftlichen Lage des Luftverkehrs vor allem mit Fragen der Sicherheit und der Versicherungen nach dem 11. September befassen.

Jeanniot will biometrische Verfahren bei der Überprüfung der Fluggäste einführen. Fingerabdrücke, Augen oder Gesichtsformen der Passagiere sollen per Computer gelesen und im Reisepass und in Datenbanken von Behörden gespeichert werden. Die Regierungen müssten dem Verfahren zustimmen und den Weg ebnen für einen international einheitlichen Standard. Nach dem Terror in den USA hatten die Versicherungen den Schutz gegen Kriegsrisiken gekündigt. Viele Regierungen haben diese Lücke mit Staatsgarantien geschlossen, die monatlich erneuert werden. Lufthansa-Chef Weber will das europäische Modell „Eurotime“ durchsetzen, das Versicherungen in drei Stufen und einen gemeinnützigen Fonds vorsieht.

Lufthansa-Chef Jürgen Weber warnte, dass die Fluglinien ihre Kunden nicht übermäßig „schikanieren“ dürften. Mit hektischem Tun würde nur zu viel Geld ausgegeben. Natürlich müsse rund um die Welt der höchste technische Stand der Sicherheit erreicht werden. „Wir müssen aber aufpassen, dass nicht eine Region durchdreht und alle mitmachen müssen – die USA sind auf dem besten Weg dazu“, sagte Weber und forderte einen Übergang vom „Krisenmanagement zur Problemlösung“. Dass in den Vereinigten Staaten nach dem 11. September Fehler gemacht worden sind, sieht auch William Gaillard, Experte für Sicherheit bei der IATA. „In den USA haben die Leute heute keine Angst vorm Fliegen, sondern Furcht vor dem ganzen Aufwand zuvor“, meint er. Zwei Stunden Abfertigungszeit auch für einen Kurzstreckenflug sei ein Problem.

Zum Abschluss der IATA-Tagung wollen die Vertreter der fast 280 im Dachverband vertretenen Fluglinien am Dienstag über den Stand der chinesischen Luftfahrt sprechen. Seit Mitte April sind drei Flugzeuge von Gesellschaften aus China und Taiwan abgestürzt, was Diskussionen über die Sicherheit chinesischer Airlines ausgelöst hat.

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