Wirtschaft : Aktenberge – nein danke!

Papier sparen, Computer ausschalten, Müll trennen: Was Unternehmen und Mitarbeiter tun können, um ihren Arbeitsplatz „grüner“ zu machen

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Von gestern. In deutschen Firmen wird zunehmend digital kommuniziert und gesammelt. Der klassische Ordner aus Pappe wird zum Relikt der Vergangenheit.Foto: dpa
Von gestern. In deutschen Firmen wird zunehmend digital kommuniziert und gesammelt. Der klassische Ordner aus Pappe wird zum...Foto: Kitty Kleist-Heinrich HF

72 Millionen Blatt Papier verbrauchen die Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG in Deutschland pro Jahr. Ein Papierberg, der vor allem aus Prüfungsberichten besteht – und der früher fast doppelt so hoch war.

Seit das Unternehmen Ende 2009 eine Umweltinitiative gestartet hat, drucken alle Drucker und Kopierer von KPMG automatisch doppelseitig. Viele Unterlagen werden gar nicht mehr ausgedruckt und abgeheftet, sondern nur noch digital auf Servern gespeichert. „Wir haben es geschafft, den Papierverbrauch um 40 Prozent zu reduzieren“, sagt Mara Zimen. Sie ist zuständig für das Umwelt-Management im Rahmen der Corporate Responsibility, der unternehmerischen Verantwortung von KPMG.

Umweltschutz spielt in Zeiten des Klimawandels zunehmend auch in Unternehmen eine Rolle. Dabei geht es nicht nur darum, die Stromrechnung niedrig zu halten, sondern auch um das Image eines Betriebes. Mit Klimafreundlichkeit lässt sich für das eigene nachhaltige Handeln werben – das man deshalb gerne nach außen kommuniziert.

Für das umweltfreundliche Büro spielt gerade der Papierverbrauch eine wichtige Rolle. „Der verantwortungsvolle Umgang mit Papier ist eine wichtige Maßnahme, mit der Ressourcen im Büroalltag geschont werden können“, sagt Inse Ewen vom Bundesverband für Umweltberatung (bfub). Sie empfiehlt unter anderem die Internetseite www.papiernetz.de von der Initiative „Pro Recyclingpapier“. Dort können Unternehmen berechnen, wie viel Wasser, Holz und CO2-Emissionen sie sparen, wenn sie statt Frischfaserpapier nun Recyclingpapier nutzen.

„Doppelseitig drucken oder alte Zettel als Schmierpapier zu verwenden, ist vorbildlich. Man kann aber auch die Papierdichte reduzieren. 70-Gramm-Papier eignet sich ebenso als Geschäftspapier wie die gängigen 80-Gramm-Bögen“, erklärt Dieter Brübach. Er hat mit dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) vor drei Jahren den Wettbewerb „Büro & Umwelt“ ins Leben gerufen. Gekürt wird nun in jedem Jahr das umweltfreundlichste Unternehmen Deutschlands, das sich durch einen schonenden Umgang mit Ressourcen im Büroalltag auszeichnet und bei der Beschaffung von Büromaterial Wert auf Umweltaspekte legt.

Um den Preis, der 2011 am 25. November in Hamburg vergeben wird, hat sich auch die Berliner Stadtreinigung (BSR) beworben. Wie der Umweltschutz in dem Recycling-Unternehmen konkret aussieht, erklärt Sprecherin Sabine Thümler. Wenn eine Abteilung Büromaterial bestellen will, zeigt das interne Bestellsystem an, welche Materialien den blauen Engel oder ein anderes Umwelt-Gütesiegel tragen, sodass dieses Kriterium bei der Auswahl berücksichtigt werden kann. Papier wird bei der BSR doppelseitig bedruckt. Für Broschüren und andere Informationen wird Papier mit Ökostandard verwendet.

Nicht nur darauf achten die Stadtreiniger. „Außerdem beziehen wir unseren Strom aus erneuerbaren Energien und achten darauf, dass unsere Computer, Bildschirme, Drucker und andere Geräte wenig Energie verbrauchen“, sagt Sabine Thümler. In speziellen Umwelt-Schulungen wird den Mitarbeitern vermittelt, wie sie an ihrem Arbeitsplatz die Natur schonen. Ab Herbst 2011 plant die BSR ein Motivationsprogramm zum aktiven Energiesparen für die Beschäftigten.

Auch bei KPMG geht man mit Strom sparsam um. Der Sicherheitsdienst und die Hausmeister haben ein Auge darauf, dass nach Dienstschluss die Bürobeleuchtung tatsächlich ausgeschaltet ist. Neuen Mitarbeitern wird am ersten Arbeitstag erklärt, wie sie mithelfen können, die Umwelt zu schonen. Große Überzeugungsarbeit muss Mara Zimen dabei nicht leisten. Die Kollegen finden es einleuchtend, den Müll zu trennen, die Computer zum Feierabend vollständig auszuschalten oder das Ladekabel fürs Handy oder den Blackberry nur dann am Netz zu haben, wenn das Gerät gerade aufgeladen wird. „Schließlich sind es die gleichen Energiesparmaßnahmen, die sie auch Zuhause umsetzen“, sagt sie.

Auch im Büro des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen eine Selbstverständlichkeit. Der Kaffee für Mitarbeiter und Besucher im Berliner Büro am Köllnischen Park ist biologisch angebaut, die Getränke kommen aus Mehrwegflaschen. Kürzlich wurde eine Sammeltonne für alte CDs und DVDs angeschafft, berichtet Marion Hasper, die beim BUND für das interne Umwelt-Management zuständig ist.

Ab und zu muss sie aber selbst die professionellen Umweltschützer an ihre eigenen Leitlinien erinnern. „Manchmal siegt eben doch die Bequemlichkeit, wenn zum Beispiel die Bananenschale im Abfallkorb am Schreibtisch statt im Biomüll in der Teeküche landet“, sagt sie. Oder es werden unnötige Kopien oder Ausdrucke gemacht. Dann verschickt sie über das Intranet eine freundliche „Erinnerungs-Mail“. Allerdings hat ihr Engagement für einen „grünen Arbeitsplatz“ Grenzen: „Auf manche Dinge haben wir als Mieter leider wenig Einfluss, zum Beispiel auf die Wärmedämmung des Gebäudes“, sagt sie.

Bei KPMG gilt der Umweltgedanke nicht nur fürs Büro. Wenn ein Mitarbeiter eine Geschäftsreise buchen möchte, zeigt ihm das elektronische Reisebüro im Intranet nicht nur an, welche Flug- oder Zugverbindungen es gibt, sondern neben dem Preis auch den CO2-Ausstoß. Die Bahnreisen der Unternehmensberater sind klimaneutral, denn KPMG nimmt am Umwelt-Plus-Projekt der Bahn teil. Die Tickets sind ein wenig teurer. Dafür speist die Bahn für die Menge der bei der Geschäftsreise verbrauchten Energie Strom aus deutschen regenerativen Quellen in das Bahnstromnetz ein.

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