Wirtschaft : "Aktie Gelb": Die Postaktien werden billiger als erwartet

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Die Anleger der Aktie Gelb der Deutschen Post werden möglicherweise billiger in den Besitz der Aktie kommen als zunächst erwartet. Analysten gehen davon aus, dass insbesondere die institutionellen Anleger ihre Zeichnungsangebote auf das untere Ende der so genannten Bookbuildingspanne (18 bis 23 Euro) begrenzt haben. Am Donnerstag endete die Zeichnungsfrist.

Wie am letzten Tag der Zeichnungsfrist der Post-Aktie aus Bankkreisen zu erfahren war, wollten institutionelle Anleger nur eine geringe Zahl von Postaktien zu höheren Preisen übernehmen, heißt es. Die Post müsse nun aber den Investmentfonds und Versicherungen entgegenkommen, und könne deshalb die Preisspanne bis 23 Euro nicht ausnutzen.

"Ich habe schon früher gesagt, der Emissionspreis wird bei etwa 19 Euro liegen und ich bleibe bei dieser Aussage", sagt Heiko Bienek von der Frankfurter Independent Research. Er erwartet im Übrigen keine schnellen Höhenflüge des Papiers. Bis zum März werde sich der Kurs der Aktie wohl entsprechend dem allgemeinen Markttrend entwickeln. Im März, so die übereinstimmende Meinung der Börsenfachleute, sollte die Postaktie in den Dax aufgenommen werden und der Kurs zunächst steigen. Wenn der Anleger innerhalb des ersten Jahres ein solides Plus von 20 bis 25 Prozent erreiche, könne er zufrieden sein, sagte Bienek, der keine große Kursfantasie in dem Papier sieht. Bei der Hamburger Berenberg Bank hält man sich mit Prognosen zurück. Das riesige Volumen von 320 Millionen Stück und die Tatsache, dass wohl jeder Privatanleger zumindest ein paar Aktien erhalten werde, würden wohl hohe Zeichnungsgewinne verhindern. Das große Interesse der Privaten für das Papier erklärt man in Hamburg damit, dass die Aktie populär und das Tätigkeitsfeld der Post durchschaubar sei.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete unterdessen, dass bei dem Börsengang private Anleger vermutlich nicht so zum Zug kommen werden, wie ursprünglich vorgesehen. Die im August ins Gespräch gebrachte Relation von 50 zu 50 Prozent werde zu Gunsten der institutionellen Anleger auf ein Verhältnis von 60 zu 40 Prozent verschoben. Grund sei das starke Interesse der institutionellen Anleger.

Die "Fifty-Fifty"-Verteilung sei nicht mehr zu erwarten, aber mit einem Verhältnis von 70 zu 30 sei auch nicht zu rechnen, bestätigte ein Analyst die Berichte. "Als die Post ihren Börsengang ankündigte, hat kein Mensch mit einer viereinhalbfachen Überzeichnung gerechnet", fügte er hinzu. Weder das Unternehmen selbst noch die Logistikbranche und auch nicht die Verfassung der Börsen hätten eine Überzeichnung der Postaktien erwarten lassen. Auch er rechne mit einer Vergabe von 60 Prozent des Aktienvolumens für professionelle Anleger und 40 Prozent für Private.

Post-Sprecher Uwe Bensien bezeichnete den Bericht als "reine Spekulation". Richtig sei, dass es eine "kräftige Nachfrage" gebe, sagte Bensien. Wie sich die Nachfrage genau verteile und wie sie befriedigt werde, stehe erst nach Ablauf der Zeichnungsfrist fest. Bund und Post wollten aber eine hohe Beteiligung Privater am Konzern erreichen.

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