Wirtschaft : Aktien-Indizes: Aktionäre weichen auf Nebenwerte aus

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"Schon machen die ersten Outperformer ihre großen Brüder nass." Das ist kein Auszug aus einem Brokerboard im Internet, sondern die saloppe Werbung der Deutschen Börse AG für ihre Krabbelstube unter den heimischen Finanzmarktsegmenten, den Smax. Und tatsächlich haben sich die niedrig kapitalisierten Werte in dem Börsenbarometer für kleinere Werte in diesem Jahr recht wacker geschlagen, wie die Grafik veranschaulicht. "Mit dem Niedergang der Technologiewerte sprang der S-Dax an", erklärt Jörg Buneroth, Analyst bei der DG Bank in Frankfurt. In dem zu Ende gehenden Jahr hat sich der Index, der die 100 größten Unternehmen des Smax umfasst, dem Abwärtssog an den Börsen zwar entziehen können. Aber auch mit den "Small-Caps" haben die Anleger bei einigen Aktien schlechte Erfahrungen gesammelt (siehe Tabelle).

Für 2001 prognostizieren die meisten Analysten für den S-Dax einen Zuwachs zwischen sieben und zehn Prozent - was in etwa dem erwarteten Gewinnanstieg für diese Werte entspricht. Dabei bleiben die Substanztitel eng an den Neuen Markt gebunden. "Die ersten Erholungsanzeichen bei den Technologiewerten gingen gleich wieder zu Lasten des S-Dax", hat Bungeroth in jüngster Zeit beobachtet. Vom Höchststand in diesem Jahr bei 3474 Punkten hat sich der Kleinwerte-Index denn auch schon um rund neun Prozent nach unten entfernt.

Wer sich als Privatanleger für die Kleinen erwärmt, kauft keine Internet-Story mit offenem Ausgang. Gewinnstabilität und die Dividendenhistorie stehen im Vordergrund. Dafür muss der Investor aber wenig Research seitens der Banken und die teilweise problematische Liquidität in Kauf nehmen. So wird bei einigen Aktien tagelang kein Umsatz erreicht, bei anderen gehen an einem Börsentag magere 30 oder 150 Stücke um, wie beim Tapetenhersteller AS Création oder der Zeitarbeitsfirma Amadeus.

Die Auflegung einiger neuer Fonds, die sich S-Dax-Werten widmen, könnte den Handel etwas beleben. Das Problem der Abstinenz ausländischer institutioneller Adressen wird sich damit aber nicht lösen. "Ausländer zeigen ganz selten Interesse an diesen Titeln", weiß Klaus Schlote, Aktienstratege bei Dresdner Kleinwort Benson.

Unter den Einzelwerten gefallen Bungeroth etwa Berentzen und Biotest-Vorzüge ("notieren unter Buchwert"), Stada ("gute Position im Generika-Markt") sowie der Bekleidungshersteller Gerry Weber ("hohe Dividendenrendite"). Fondsmanager Jochen Matheé von der Anlagegesellschaft Invesco hat - vor allem wegen der Managementleistungen - Rohwedder (Automatisierung) und Indus (Beteiligungen) auf der Liste.

Für Spannung in dem ansonsten eher ruhigen Segment könnte 2001 eine Art Drehtüreffekt sorgen. Vor allem Mittelständler müssen sich Gedanken über ein SDax-Listing machen. Die Firmen kommen zunehmend in eine "Beschaffungsfalle", wenn es ums Eigenkapital geht. "Die Banken reduzieren ihr Kreditportfolio, um Risiken aus ihren Bilanzen zu nehmen", sagt Invesco-Stratege Matheé. Damit bleibt als ein Ausweg der Gang an die Börse. Auf der anderen Seite werden weiterhin Unternehmen versuchen, von der Börse wegzukommen. Wenn der Kurs trotz guter Ertragszahlen über lange Zeit gedrückt bleibt, ist der Weg für Kapitalerhöhungen verstellt. Damit entfällt ein wichtiges Argument für den Kurszettel. Gesellschaften mit starkem Einfluss einiger Familien und niedrigem Streubesitz suchen dann den Rückzug über ein "Delisting". Für die Kleinaktionäre fällt dabei meist ein Abfindungsangebot mit einem Aufschlag von 25 bis 30 Prozent auf den Durchschnittskurs der letzten sechs Monate ab, erklärt Schlote.

Auf solche Sondersituationen zu spekulieren, ist aber wenig ratsam. Letztlich fehlt dem privaten Investor der Einblick in die Gemütslage der bestimmenden Familien.

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