Wirtschaft : Aktien von Fondsgesellschaften bergen hohe Risiken

INGO NARAT (HB)

Wo sind die börsennotierten Investmentgesellschaften auf deutschen Kurszetteln? Fehlanzeige.In Amerika oder Großbritannien ist das anders.Das sorgt für zusätzliche Phantasie, denn manchmal war der Kauf der "Fonds-Aktien" lukrativer als der Erwerb der Fondsanteile der gleichen Gesellschaft.Die Amerikaner haben ihre Pioniere, ACM oder Amvescap - die manche ihrer Fondsprodukte übrigens auch in Deutschland anbieten.An der deutschen Börse tummeln sich nur wenige artverwandte Firmen, bei denen die Fondsaktivitäten außerdem nur Teil des Gesamtgeschäfts sind.Doch auch diese Firmen könnten vom anhaltenden Trend zum aktienorientierten Fondssparen profitieren.

Analysten warnen allerdings davor, allzu leichtfertig Parallelen zur Entwicklung der Fonds-Aktien in Amerika zu ziehen.Das Geschäft ist hochgradig anfällig in schlechten Börsenphasen, so daß in einer Baisse gerade diese Aktienkurse kräftig ins Rutschen kommen.In Deutschland sind die meisten Titel zudem noch Börsen-Neulinge, die erst wenige Monate gehandelt werden und teilweise auch wenig liquide sind.Research über diese Gesellschaften ist kaum verfügbar.

Welches Potential im Geschäft mit Finanzdienstleistungen steckt, zeigt MLP am deutlichsten.Die traditionell auf den Versicherungsverkauf ausgerichteten Heidelberger forcieren die fondsgestützte Vermögensverwaltung und das Bankgeschäft.Die Börsianer honorierten die Erfolgsstory des MDax-Mitgliedes mit einer Kursexplosion.

Norbert Barth räumt zwar ein, die Bewertung der Aktie sei "in den Himmel geschossen".Dennoch betrachtet der BHF-Bank-Analyst das Papier weiter als "klassische Wachstumsaktie", die auf seiner Kaufliste bleibt.Die BHF-Gewinnschätzungen je Aktie: 4,60 Euro für das laufende, 5,98 Euro für das nächste Jahr, so daß das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) selbst auf Basis der 2000er-Ertragstaxe bei Kursen um 470 Euro mit 80 extrem hoch anzusiedeln ist.

Die Hamburger Tecis Holding gab Anfang Dezember ihr Debüt im Amtlichen Handel.Wer bei der Zeichnung zum Zuge kam, hatte am ersten Handelstag seinen Einsatz verdoppelt.Nur wenige Analysten beschäftigen sich mit dem Vertreiber von Versicherungen und Investmentfonds.Die Hamburger Vereins- und Westbank zählte zu den wenigen Instituten, die anläßlich des Börsenganges eine Unternehmensstudie veröffentlichten: Joachim Flecks hält die Aktie weiter für empfehlenswert.Gewinnschätzungen für 1999 und 2000 in Höhe von 1,18 Euro beziehungsweise 1,42 Euro (KGV 42 bei Kursen um 60 Euro) sind seiner Meinung nach realistisch.Der Tecis-Vorstand äußerte sich jüngst ausgesprochen optimistisch und stellte für das Jahr 2001 einen Gewinn je Aktie "von mehr als 6 DM" (umgerechnet 3,07 Euro) in Aussicht.Kaum Einschätzungen gibt es auch zu Value Management & Research (VMR).Geschäftsführer Florian Homm ist Kennern der Fondsszene kein Unbekannter.Er war lange Zeit Assistent von Peter Lynch, dem legendären früheren Fondsmanager des Fidelity Magellan Fund.Die Gesellschaft verwaltet Publikumsfonds- und Spezialfonds, ist außerdem in der Unternehmensfinanzierung im Vorfeld von Börsengängen, im Research und im Wertpapierhandel auf eigene Rechnung aktiv.

VMR hat schon eine Kurs-Karriere am Geregelten Markt hinter sich.Im laufenden Jahr soll die Ertragsmarke von 4 DM je Aktie (entsprechend 2,05 Euro) nach Meinung eines VMR-Vertreters "deutlich übertroffen werden".Die Analysefirma Independent Research setzt die Gewinnschätzungen für das kommende Jahr bei 3,13 Euro an, entsprechend einem KGV von 28 bei Kursen von 88 Euro.Eine der reinrassigsten Fonds-Aktien scheint die PEH Wertpapier AG zu sein, die allerdings als Anlage kaum in Frage kommt.Lediglich 40 000 Aktien wurden seit einigen Monaten im Freiverkehr gehandelt.Umsätze sind die Ausnahme, Geld- oder Briefkurse die Regel.Die Oberurseler Gesellschaft ist vor allem in der fondsgestützten Vermögensverwaltung aktiv und den Anlegern durch die Produktpalette der PEH- und PH-Produkte bekannt.Auf Research als Bewertungsgrundlage für die Aktie können sich Anleger nicht stützen.Sie müssen dem Prinzip Hoffnung huldigen: PEH strebt weitere Fusionen und Kooperationen mit Vermögensverwaltern an und will 1999 eine Kapitalanlagegesellschaft aus der Taufe heben.

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