Wirtschaft : Aktienaffäre belastet die Hauptstadtpläne

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Als WestLB-Chef Thomas Fischer Ende März die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentierte, sah alles noch gut aus. Die Bank, so schien es, hatte sich von ihren Krisenjahren längst erholt, glänzte mit einem Milliardengewinn und stand kurz vor der Übernahme der SachsenLB.

Mittlerweile haben sich die Vorzeichen gedreht: Die WestLB steckt mitten in einer schweren Krise. Es geht um angebliche Kursmanipulationen durch zwei Aktienhändler der Bank und um die Frage, was der Vorstand davon wusste. Wie ernst die Lage ist, zeigt die Tatsache, dass Konzernchef Fischer in der vergangenen Woche vor dem Finanzausschuss des Düsseldorfer Landtags aussagte.

Die Affäre in Düsseldorf dürfte auch die Pläne in Berlin belasten, wo die Bank eigentlich so viel vorhatte. In den beiden vergangenen Jahren kaufte sie die Weberbank und die ABC-Bank, die nun als Readybank firmiert. In diesem Jahr soll die Landesbank Berlin mit der Berliner Sparkasse hinzukommen. „Die WestLB braucht unbedingt Zugang zum Retail-Geschäft“, erklärt Dirk Becker, Analyst bei Kepler Equities. Unter Retail versteht man das Geschäft im Massenmarkt der Privatkunden.

Wie die meisten Experten ist Becker aber davon überzeugt, dass die WestLB es nicht allein schaffen kann, sondern einen starken Partner braucht, der das Geld mitbringt. Das könnte ein Finanzinvestor sein; etwa JC Flowers, der selbst im Rennen um die LBB dabei ist. Doch selbst dann sind die Chancen der WestLB begrenzt, meinen die Analysten. „Ab einem gewissen Preisniveau wird die WestLB Schwierigkeiten mit dem Finanzinvestor bekommen und aussteigen müssen“, glaubt Becker. Auch Bankenprofessor Wolfgang Gerke ist skeptisch: „Die WestLB hat sich im Moment mit genügend eigenen Problemen belastet.“ stek

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