Wirtschaft : Aktienanleihen: Keine Chance ohne Risiko

HERMANN KUTZER (HB)

Dreizehn Prozent Zins - ist das seriös? Seitdem "Aktienanleihen" (engl. Reverse Convertibles) in Mode gekommen sind, tauchen kritische Fragen auf. Die Antwort ist einfach: natürlich - man muß nur die Chancen und Risiken kennen! Wenn in Anzeigen allerdings nur mit zweistelligen Kupons geködert wird, sind Zweifel angebracht. Das Bankhaus Sal. Oppenheim, zusammen mit der Commerzbank Marktführer, gibt sich erkennbare Mühe bei der Aufklärung.Aktienanleihen werden als "die andere Seite des Optionsscheins" charakterisiert, denn für den Käufer eines Optionsrechts sind Zeitwertverfall und stagnierende Kurse des Basiswerts (zum Beispiel Aktie) ausgesprochen schlecht, während der Zeichner von Reverse Convertibles genau darauf setzt. Wann also passen Aktienanleihen in die Anlagestrategie? Sie sind für Anleger interessant, die hohe Zinsen wünschen und überzeugt sind, daß sich die jeweilige Aktie eher seitwärts bewegt oder keine extremen Kurszuwächse eintreten. Die Zeichner sollten sich - falls die Kurse in die falsche Richtung laufen - auch nicht über die Lieferung der Aktien (zum festgelegten Basispreis) ärgern, sondern diesen "Ersatz" für die Rückzahlung der Anleihe zu 100 Prozent als langfristig attraktives Engagement ansehen.Was sind nun die Besonderheiten der Aktienanleihen? Man könnte sie im weitesten Sinn als Verwandte der Wandel- und Optionsanleihen bezeichnen, denn auch sie haben, wie der Name schon sagt, zwei unterschiedliche Komponenten. Zunächst einmal sind sie kurzlaufende festverzinsliche Anleihen, jedoch mit zwei besonderen Merkmalen: hohe Verzinsung und mögliche Rückzahlung der Anleihe in Form von Aktien. Ein Beispiel: Die Aktienanleihe von Sal. Oppenheim auf die Deutsche Telekom (Wertpapierkennummer 281147) wird zu 13 Prozent verzinst und bei Fälligkeit zu 100 Prozent getilgt. Notiert die T-Aktie am 17. Dezember 1999 jedoch unter dem festgelegten Basispreis von 35,71 Euro, wird die Anleihe je 5000 Euro Nominalbetrag durch 140 T-Aktien zum Basispreis zurückgezahlt - Aktien statt Bargeld. Je tiefer die Aktie zu diesem Zeitpunkt unter den Basispreis gefallen ist, um so größer ist demnach der aktuelle Verlust für den Zeichner. Von ihrer Struktur her handelt es sich somit um eine Anleihe mit Verkaufsoption auf Aktien (Put), denn der Anleger verkauft der Emittentin das Recht, ihm Aktien andienen zu dürfen. Umgekehrt betrachtet: Der Anleger verpflichtet sich, gemäß den Anleihekonditionen Aktien statt einer Anleihetilgung zu akzeptieren. Dafür zahlt ihm die Emittentin (Bank) eine Prämie. Diese ergibt zusammen mit der marktüblichen Verzinsung den hohen Kupon von 13 Prozent - im genannten Telekom-Beispiel lag bei Auflegung der Anleihe die Marktverzinsung für Termingelder gleicher Laufzeit bei 2,58 Prozent; die restlichen 10,42 Prozent stellen die Optionsprämie dar. Wichtig: Der Kupon wird in jedem Fall gezahlt! Der Nominalzins ist also garantiert, nicht aber die Rendite der Emission. Einmal mehr kommt es bei der Beurteilung einer Anleihe darauf an, zwischen Zins und Rendite zu unterscheiden.Ob sich eine solche Anlage lohnt oder nicht, hängt von den Anlagezielen und den entsprechenden Vergleichsrechnungen ab. Aktien gibt es nur dann, wenn deren Kurs unter den Basispreis fällt. Steigt der Aktienkurs hingegen steil an, dann wäre es ab einer bestimmten Marke ertragreicher gewesen, statt der Aktienanleihe die Aktie selbst zu kaufen. Ein Trost: Der hohe Zins wird natürlich gezahlt; dem Anleger entsteht kein Verlust, sondern er muß einen "entgangenen Gewinn" hinnehmen. Warum so unterschiedlich hohe Kupons? Die Höhe hängt von der Volatilität des Kurses ab (hoher Zins = hohe Kursschwankungen = hohes Risiko).Der Fachmann empfiehlt dem AnlegerDer erste Blick muß immer dem aktuellen Aktienkurs gelten. Man sollte kein "wackliges", sondern ein solides Unternehmen bevorzugen, von dessen Kurs man während der Laufzeit der Anleihe keine besonderen Bewegungen erwartet.Kaufaufträge niemals ohne Limit, das aber nicht zu knapp setzen!Infos beschaffen und Konditionen vergleichen. Sal. Oppenheim hält ausführliches Material bereit, schriftlich und auf der Internet-Seite www.oppenheim.de/aktienanleihen . Kurse gibt es auf der Seite der Schuchardt Börsenmakler ( www.FM4257.de ).

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