AKTIENBEWERTUNG : Sind Finanzaktien jetzt preiswert?

KURSE UND GEWINNE

In stabilen Börsenzeiten geben Kennzahlen wie das Verhältnis von aktuellem Aktienkurs und (geschätztem) Gewinn je Aktie einen Anhaltspunkt, wie preiswert eine Aktie ist. Die Verwerfungen der Finanzkrise haben die KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnisse) einiger Aktien allerdings so stark nach unten getrieben, dass selbst Analysten davon abraten, die Kennzahl als Maßstab zu verwenden. „Die können Sie momentan vergessen“, sagt Konrad Becker von Merck Fink. So liegen die KGV der Commerzbank aktuell bei 4,7, der Deutschen Bank bei 7,5 und der Postbank bei 6,6 – im historischen Durchschnitt gilt 15 als Mittelwert. Grundlage für die extrem niedrige Bewertung ist aber der für 2008 geschätzte Gewinn, der wohl deutlich geringer ausfallen dürfte, als die Banken vor Wochen noch hofften und Analysten in ihre Prognosen eingerechnet haben. Problematisch ist auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) – die Relation von aktuellem Aktienkurs und dem Wert sämtlicher Vermögensgegenstände und Forderungen eines Unternehmens abzüglich sämtlicher Verbindlichkeiten. Da gerade die Banken erhebliche Wertberichtigungen vornehmen müssen, sind ihre Buchwerte – also die „Substanz“ – derzeit wenig aussagekräftig. Normalerweise gilt eine Aktie mit einem KBV um 1,0 als vergleichsweise preiswert.

QUALITÄT ZÄHLT

Mutige Anleger, die sich trotz der Warnungen von Experten jetzt für Bankaktien interessieren, sollten nach qualitativen statt quantitativen Vorzügen einer Aktie Ausschau halten. Für wie solide hält man das Geschäftsmodell einer Bank? Wie stehen die Chancen, dass es sie in drei Jahren noch gibt? Wie realistisch sind die erwarteten Renditen auf das eingesetzte Eigenkapital? Wie sauber ist die Bilanz – oder wie groß ist der Säuberungsbedarf? mot

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