Wirtschaft : Aktienfieber: Fonds sind das Sparbuch von heute (Kommentar)

Henrik Mortsiefer

Das Börsenfieber ist an den Deutschen nicht spurlos vorüber gegangen. Der von großem Medienrummel begleitete Ansturm auf die "Volks-Aktien" von Telekom und Infineon war offenkundig mehr als ein Strohfeuer. Belegt wird dies von beeindruckenden Zahlen, die das Deutsche Aktieninstitut jetzt vorlegt. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland um ein Viertel gestiegen, die Zahl der Fondssparer hat sich fast verdoppelt. 11 Millionen mischen inzwischen an der Börse mit. Das zeugt von einer bislang unterschätzten Dynamik. Der Sparstrumpf ist aus der Mode, das Sparbuch von heute heißt Aktienfonds.

Schneller als mancher vor wenigen Jahren noch glauben mochte haben sich die deutschen Sparer neu orientiert. Getrieben wurden sie dabei von der Sorge vor dem Kollaps des Rentensystems, geködert von guten Renditen und neuen Produkten der Fondsgesellschaften. Kein Anlegerwunsch bleibt heute unerfüllt; 4000 Investmentvarianten werden am Markt gehandelt. Da fällt selbst dem aufgeklärten Börsenprofi die Übersicht schwer. Daraus haben bisher vor allem die Großen der Fondsbranche Kapital geschlagen, die bei der Vereinfachung der komplexen Börsenwelt am geschicktesten agieren und über 600 Milliarden Mark auf ihren Fonds verbuchen. Satte Provisionen und teilweise undurchsichtige Managementvergütungen, die sich da in den Büchern der Giganten addieren. Das sollten die begeisterten Deutschen nicht vergessen: Marktführer neigen auch an der Börse zur Schwerfälligkeit. Wer für seinen Einsatz eine faire Rendite haben will, sollte das Verhältnis von Preis und Leistung künftig genauer prüfen.

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