Wirtschaft : Aktienhandel per Internet und Telefon bietet Tochterunternehmen der Postbank ab 2000 an

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Auch die Postbank hat die Zeichen der Zeit erkannt. Ab Frühjahr 2000 soll den ersten der rund zehn Millionen Kunden auch der Wertpapier-Handel über das Internet und per Telefon - das sogenannte Direkt-Brokerage - angeboten werden. Spätestens im Herbst steht diese Möglichkeit nach Angaben von Postbank-Vorstandschef Wulf von Schimmelmann allen Kunden zur Verfügung. Damit will das Institut seine Angebotspalette verbreitern, die Kunden noch enger binden und endlich auch im Provisionsgeschäft gutes Geld verdienen. Bereits im ersten Geschäftsjahr rechnet von Schimmelmann mit 250 000 Depots - womit man "zu einem der Großen" der Branche zählen werde.

Eigens für das neue Angebot hat die Postbank im Juli ein Tochterunternehmen gegründet, das allerdings noch ohne Namen ist. Sie kümmert sich um das Call-Center, bearbeitet Anfragen und verschickt Informationen. Für die notwendige Informationstechnologie hat das Geldhaus das Hamburger Software-Unternehmen Netlife gefunden, für die Abwicklung der Wertpapiergeschäfte die Düsseldorfer WPS WertpapierService Bank, hinter der die WestLB, die Landesbank Rheinland-Pfalz und die Landesbank Schleswig-Holstein stehen. Wie viel die Postbank in ihr neues Projekt investiert, wollte von Schimmelmann nicht verraten. Trotz des harten Preiskampfes im Direkt-Brokerage glaubt er aber, dass die Postbank mit ihrer neuen Tochter Ende 2001 oder Anfang 2002 in die schwarzen Zahlen kommen werde.

Aus drei Gründen begibt sich die Postbank auf das neue Feld, das andere Geldhäuser zum Teil schon seit Jahren beackern. Zum einen wünschen immer mehr Kunden dieses Angebot, zum anderen wird die Marge bei der Postbank angesichts von Kundeneinlagen in Höhe von fast 100 Mrd. DM und Kundenkrediten von nur fünf Mrd. DM immer kleiner. Deshalb soll das Provisionsgeschäft ausgebaut werden. Zum dritten will die Postbank den für Ende 2000 geplanten Börsengang der Post AG nutzen, um gleich die Depots der Post-Mitarbeiter zu führen, die dann Mitarbeiteraktien bekommen.

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