Wirtschaft : Aktienindizes: Countdown für die Umstellungen läuft

mm/bfr

Der Countdown für die Umstellungen in den Aktienindizes der europäischen Stoxx-Familie läuft. Erstmals wird am 18. September nicht die gesamte Marktkapitalisierung (die Zahl aller Aktien multipliziert mit dem Kurswert) der jeweiligen Unternehmen als Kriterium zu Grunde gelegt, sondern die Marktkapitalisierung der in Streubesitz befindlichen Aktien. So werden nicht nur Aktien mit einem niedrigen Streubesitz auch niedriger in den Indizes gewichtet. Es werden auch einige Aktien ausgetauscht. Die Entscheidung, wer gegen wen in die Indizes wechselt, wird vom Aufsichtsrat des Indexbetreibers Stoxx am 15. August auf Basis der Kapitalisierung vom 31. Juli gefällt. Gute Chancen für einen Aufstieg in den Euro-Stoxx-50 Index, dem Marktbarometer für die wichtigsten Standardwerte im Euroraum, haben demnach der französische Nahrungsmittelkonzern Danone und die italienische Großbank San Paolo Imi. Während Danone am Mittwochnachmittag um gut ein Prozent über dem Vortag lagen, notierten San Paolo Imi um rund ein Prozent niedriger. Stark abstiegsgefährdet sind Metro, die um gut ein Prozent nachgaben, und Electrabel. Als Favoriten für die Aufnahme in den Stoxx-50-Index, der neben dem Euroraum auch die EU-Länder Großbritannien, die Schweiz und Schweden umfasst, gelten der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca, die französische Großbank BNP Paribas und der britische Versicherer CGNU. Während NP am Mittwoch zulegten, gaben CGNU nach. Unilever, obwohl abstiegsgefährdet, konnten sechs Prozent zulegen.

Auch der Kampf um einen der begehrten Plätze im Dax geht in die entscheidende Runde. Am 8. August entscheidet der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse über Auf- und Abstieg aus dem wichtigsten heimischen Börsenbarometer. Als Favorit für den Dax gilt der Heidelberger Finanzdienstleister MLP, der Karstadt-Quelle ersetzen könnte. Als weiterer Abstiegskandidat käme Adidas in Frage. Den MLP-Aufstieg halten offenbar auch die Anleger für plausibel. Während die Aktie des Finanzdienstleisters am Mittwoch an der Börse gewann, fielen die Papiere von Karstadt-Quelle. Für den Einstieg in den Dax gilt die sogenannte 35/35-Regel. Nur Kandidaten die in puncto Umsatz und Marktkapitalisierung zu den 35 größten Unternehmen gehören, haben eine Aufstiegschance. Am späten Mittwochabend wollte die Deutsche Börse die Rangliste für den Monat Juli vorlegen, auf deren Grundlage der Arbeitskreis seine Entscheidung treffen wird. In der Juni-Rangliste hatte MLP beide Kriterien erfüllt. Beim Umsatz lag die Aktie auf Platz 30 und bei der Kapitalisierung auf Platz 20. Seither ist die Marktkapitalisierung weiter auf 13,2 Milliarden Euro gestiegen. Karstadt erfüllte im Juni dagegen mit Platz 25 lediglich das Umsatzkriterium. Bei der Marktkapitalisierung rutschte der Einzelhänder auf Rang 39 ab. Noch schlechter schnitt nur Adidas (Umsatz 25/Kapitalisierung 44) ab. Gegen Karstadt könnte der deutlich geringere Streubesitz von nur 34 Prozent sprechen. Denn der Arbeitskreis der Deutschen Börse wird auf seiner Sitzung auch über eine Umstellung der Indexgewichtung beraten. Kurzfristig werde die Berechnungsmethode wohl noch nicht am Streubesitz ausgerichtet, heißt es in informierten Kreisen. Auf lange Sicht könnten sich die Frankfurter dem internationalen Trend aber wohl kaum entziehen.

Im M-Dax, dem Index der 70 wichtigsten Nebenwerte, werden aller Voraussicht nach die Übernahmekandidaten Gerresheimer Glas, Schmalbach-Lubeca und Klöckner Werke ihren Platz räumen. Als mögliche Nachrücker stehen Techem, die Tecis Holding und Takkt bereit.

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