• Aktieninstitut kritisiert Offenlegung von Gehältern DAI fordert hartes Durchgreifen gegen Betrüger und Bilanzfälscher

Wirtschaft : Aktieninstitut kritisiert Offenlegung von Gehältern DAI fordert hartes Durchgreifen gegen Betrüger und Bilanzfälscher

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Frankfurt (Main) (ro). Weitere Regulierungen und unkoordinierter Aktionismus werden das Vertrauen in die Börse nur bedingt wieder festigen. MaxDietrich Kley, Präsident des Deutschen Aktieninstituts (DAI), rechnet mit steigenden Aktionärszahlen nur dann, wenn auf die anhaltende Krise mit „besonnenem und durchdachtem“ Handeln reagiert wird. Vor allem aber fordert er ein entschiedeneres Durchgreifen der Aufsichtsbehörden, Staatsanwälte und Gerichte gegen Betrüger und Bilanzfälscher.

„Wir brauchen nicht noch mehr neue Regeln, aber dringend eine strengere Verfolgung und Ahndung von Fehlverhalten.“ Kley bekräftigte auf der DAI-Jahrespressekonferenz die Forderung nach einer bundesweiten Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Kapitalmarktdelikte.

Diese Institution soll mit speziell ausgebildeten Juristen eng mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BAfin) zusammen arbeiten. Eine schnelle und auch höhere Bestrafung von Wirtschaftskriminellen und die konsequente Abschöpfung von unrechtmäßig erlangten Gewinnen würden das Anlegervertrauen stärken und die Abschreckung vor möglichen Delikten erhöhen.

Dass eine noch höhere Transparenz und mehr Regeln dem deutschen Kapitalmarkt gut tun bezweifelt Kley, der im Hauptberuf Finanzchef des Chemiekonzerns BASF ist. Die Krise führe zu überzogenen Reaktionen. „Wir steuern auf eine absolute Überregulierung und maximale Transparenz zu, ohne zu fragen, ob das richtig ist und den Aufwand rechtfertigt.“ Die detaillierte Offenlegung von Vorstandsgehältern stifte keinen besonderen Nutzen, führe allenfalls dazu, dass die Bezüge der Manager nivelliert würden. Im Übrigen würde die Neiddebatte angeheizt. „In Deutschland ist nicht der Schäferhund die am weitesten verbreitete Rasse, sondern der kleine gelbe Nörgler und der große grüne Neidhammel“, poltert Kley. Auch die geplanten höheren Anforderungen an Wirtschaftsprüfer hält er für übertrieben. Er warnt vor überzogenen Erwartungen an eine Prüfung der Prüfung und die Vereinheitlichung der Bilanzmethoden nach dem Standard IAS ab 2005.

Dass die Zahl der Aktionäre in Deutschland im zweiten Halbjahr 2002 um 631000 auf 5,3 Millionen gestiegen ist, betrachtet Kley nicht als Anlass zur Entwarnung. Die Aktienakzeptanz sei weiter in Gefahr mit allen negativen Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung und die Altersvorsorge. DAI-Geschäftsführer Rüdiger von Rosen erinnert daran, dass es 2002 nur sieben Börsengänge gegeben habe, 2003 bislang aber noch keinen. 1999 und 2000 waren es zusammen 310. „Der Weg zur Rückgewinnung des Anlegervertrauens ist steinig", sagt Kley. Er fragt sich auch, ob der Deutsche Aktienindex Dax mit seinen 30 Papieren noch repräsentativ ist für die deutsche Wirtschaft. Ein kleiner Index wäre vermutlich besser, meint er. Zudem appelliert der DAI-Präsident an die Pensionskassen, wieder verstärkt in deutsche Aktien zu investiert – und damit ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

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