Wirtschaft : Aktieninstitut will Neuen Markt zurück

Deutscher Börse fehlt attraktiver Handelsplatz für junge Firmen – die Zahl der Anleger ist 2004 gesunken

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) will den Neuen Markt wieder aufleben lassen – allerdings unter anderem Namen. Der deutschen Börse fehle ein Segment für junge, wachstumsstarke Unternehmen, sagte DAI-Vorstandsmitglied Rüdiger von Rosen am Donnerstag in Frankfurt. Zwar haben sich das Klima an den Börsen und die Stimmung unter den Anlegern nach Ansicht des DAI weiter aufgehellt. Trotzdem hinke der deutsche Kapitalmarkt weiter deutlich hinter der Entwicklung in anderen Ländern hinterher, sagte DAI-Präsident Max Dietrich Kley. Grund dafür seien ein zum Teil überzogener Anlegerschutz und übertriebene Regulierungen für die Unternehmen.

„Uns fehlt ein Börsensegment, das die Aufmerksamkeit der privaten, vor allem aber der institutionellen Investoren gezielt auf die kleineren und mittleren Unternehmen lenkt. Wir brauchen ein solches Schaufenster“, sagte von Rosen. Die Deutsche Börse AG hatte den Neuen Markt nach etlichen Betrugsfällen und dem dramatischen Kurs-Crash 2003 nach nur sechs Jahren wieder eingestellt. Im anschließend gebildeten Tec-Dax sind vor allem größere Technologiefirmen versammelt. Als Vorbild für ein neues Segment betrachtet das DAI den unlängst an der Münchner Börse geschaffenen „M:Access“. Auch die Deutsche Börse steht einer Wiederbelebung eines Neuen Marktes aufgeschlossen gegenüber.

Das hier zu Lande mangelnde Interesse am Börsengeschehen zeigt sich in der Zahl der Anleger, die in Aktien oder Aktienfonds investiert haben. 2004 war sie um mehr als sechs Prozent von 11,09 auf 10,40 Millionen gesunken. Allerdings sind es immer noch fast doppelt so viele wie 1997. Auf der anderen Seite machen Mittelständler nach wie vor einen Bogen um die Börse, obwohl die Eigenkapitalausstattung mit durchschnittlich weniger als 20 Prozent im internationalen Vergleich einmalig niedrig ist. „Aktie und Börse können dazu beitragen, diese Lücke zu füllen“, sagt von Rosen. Zwar habe es in diesem Jahr schon einige erfolgreiche Börsengänge gegeben, aber 2004 war die Bilanz nach Ansicht des DAI unzureichend. Im vergangenen Jahr waren gerade mal fünf Unternehmen neu an die deutsche Börse gegangen. Dagegen wurden in Großbritannien allein am so genannten Alternative Investment Market mehr als 300 Neuemissionen registriert.

Für eine Verbesserung des Börsenklimas muss nach Ansicht des DAI auch die Politik in die Pflicht genommen werden. Für DAI-Vorstand von Rosen heißt dies vor allem: kein überzogener Anlegerschutz und weniger Auflagen für den Mittelstand. „Übertriebene Vorschriften zu Transparenz und Haftung stimulieren keinen Börsengang.“ Mit dem Anlegerschutzverbesserungsgesetz seien zu viele Vorschriften verbunden. Andere Gesetze wie das Bilanzrechtsreformgesetz führten bei den Firmen zu erheblichen Mehrkosten. DAI-Präsident Kley kritisiert auch das Gesetz zur Offenlegung der Vorstandsgehälter. Es bringe wenig und es sei möglicherweise nicht mit dem Datenschutz vereinbar. Auch die Anleger hätten kein echtes Interesse an der Offenlegung der Bezüge. Kley plädiert für Freiwilligkeit, räumt aber ein, dass darüber die Meinungen in den Vorstandsetagen auseinander gehen.

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