Wirtschaft : Aktienkurs: Banken sehen Dax Ende 2001 bei 7720 Punkten

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Der zurückliegende Aktiencrash auf Raten mag die Analysten zwar verunsichert haben. Aber den Optimismus für das kommende Jahr konnte die jüngste Kursentwicklung ihnen nicht nehmen. Das zeigt die traditionelle Umfrage des Handelsblatts unter 32 Banken und Investmenthäusern zu den erwarteten Jahresendständen 2001 für den Deutschen Aktienindex (Dax), die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sowie den Kurs des Euros zum US-Dollar. Die Bank Julius Bär bringt es für viele auf den Punkt: "Rückläufige Rohölpreise, stabile oder sinkende Zentralbankzinsen sowie niedrige Renditen bilden eine günstige Konstellation für das Wirtschaftswachstum und den Aktienmarkt im nächsten Jahr." Zudem sollen die Gewinne der Unternehmen im nächsten Jahr dank der Steuerreform um deutlich über zehn Prozent zunehmen. Der festere Euro dürfte ausländische Anleger anziehen. Im Durchschnitt erwarten die Befragten Ende 2001 den Dax bei 7722 Punkten, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 5,00 Prozent und den Euro bei 1,01 US-Dollar.

Zinswendejahre sind Haussejahre, urteilt etwa die Berenberg Bank, die zur Begründung auch auf den Dax verweist: "Er verfügt über eine gute Mischung zwischen zinssensitiven Finanz- und Versorgungswerten auf der einen und konjunkturzyklischen Aktien auf der anderen Seite." Erstere seien Favoriten für das erste, letztere die für das zweite Halbjahr. Zudem wirke der Zinshebel in Richtung höherer Aktienkurse. Dies belege ein Vergleich mit den Jahren 1994/95, wo es nach einem Zwischentief zu Kurssteigerungen um 28 Prozent gekommen sei. Für 2001 erwartet Berenberg einen Jahresendstand von 8500 Punkten. Damit gehört die Bank neben Schroder Salomon Smith Barney zu den "Bullen" für deutsche Aktien. Ebenfalls sehr zuversichtlich gibt sich die Commerzbank: "Das insgesamt günstige Konjunkturklima sowie die Steuerreform und Produktionsfortschritte werden sich günstig auf die Unternehmensgewinne auswirken, die 2001 nochmals um 16 Prozent zulegen sollten."

Nach der Pleite im laufenden Jahr am Neuen Markt soll der Nemax 50 deutlich stärker steigen als der Dax, erwartet die Dresdner Bank. J.P. Morgan meint allerdings, der nächste Aufschwung werde nicht vom Bereich Technologie, Medien und Telekommunikation getragen. Die Anleger dürften wählerischer sein als noch Anfang 2000.

Neben der Mehrheit von Optimisten für Aktien gibt es aber auch namhafte Adressen, die zur Vorsicht mahnen. Dies gilt vor allem für Morgan Stanley Dean Witter. Anleihen traut die Bank zwar eine gute Ertragsentwicklung zu, nicht aber den Aktien. Mit einem erwarteten Jahrestief von 5400 Dax-Punkten "outen" sich die Investmentbanker als "Bären", bevor es im weiteren Jahresverlauf zu einer Erholung bis auf 6100 Zähler kommen soll. Damit seien vorerst defensive Aktien wie Versorger und Versicherungen, aber auch Banken und Telekom-Unternehmen erste Wahl. Pictet, Lehman Brothers und Merrill Lynch gehören ebenfalls zu den Pessimisten. Für Merrill Lynch hat die "weltweite konjunkturelle Abschwächung einen negativen Einfluss auf die Unternehmensgewinne". Erst die erwarteten Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank dürften zu Kurssteigerungen führen.

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