Aktienkurs : VW macht Porsche steinreich

Die VW-Aktie springt über 1000 Euro. Der wilde Höhenflug hat Volkswagen am Dienstag zeitweise zum teuersten Unternehmen der Welt gemacht.

Henrik Mortsiefer
Porsche
Goldenes Jahr für VW-Aktionäre. Porsche und Niedersachsen halten 94 Prozent der Anteile. Spekulanten jagen den Rest. -Foto. dpa

 Berlin - Die VW-Aktie markierte in der Spitze ein Rekordhoch von 1005,01 Euro. VW kostete zu diesem Zeitpunkt fünf Milliarden Euro mehr als das bis dato teuerste Unternehmen, der US-Mineralölkonzern Exxon Mobil (283 Milliarden Euro). Am Nachmittag sank die Nachfrage deutlich, der Kurs gab nach. Die Aktie schloss aber immer noch um 81,7 Prozent im Plus bei 945 Euro.

Auslöser für den rasanten Kursanstieg, der bereits am Montag begann, waren misslungene Leerverkäufe – Spekulationen auf sinkende Kurse. Die Spekulanten waren am Wochenende von der Mitteilung überrascht worden, dass Porsche bereits 42,6 Prozent an VW hält und darüber hinaus Optionen auf 31,5 Prozent besitzt. Gut 20 Prozent der VW-Aktien hält das Land Niedersachsen. Damit ist klar, dass auf dem Markt nur noch knapp sechs Prozent VW-Aktien frei verfügbar sind. Deshalb läuft eine regelrechte Jagd auf verbliebene VW-Aktien.

Porsche dürfte wegen des Kursanstiegs einen hohen Spekulationsgewinn einfahren. Denn der Sportwagenhersteller kassiert bei der Auflösung seiner Optionen die Differenz zwischen dem aktuellen VW-Kurs und dem Basispreis der Optionen. „Porsche könnte mehr als 50 Milliarden Euro einstreichen“, schätzte ein Analyst am Dienstag. Der Konzern habe Optionen auf 90 Millionen VW-Aktien (entspricht 31,5 Prozent aller Aktien). Bei einem angenommenen Basispreis von 200 Euro pro Option könnte bei einem aktuellen Aktienkurs von rund 800 Euro ein Gesamtgewinn von insgesamt 54 Milliarden Euro angefallen sein. „Diese Summe müssten Käufer auf der anderen Seite bezahlen“, sagte der Experte, der nicht genannt werden wollte. „In den nächsten Wochen wird es einige Investoren geben, die wegen VW in Schwierigkeiten geraten.“

Nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Bankkreisen hat allein der Londoner Hedgefonds Marshall Wace mehr als fünf Milliarden Euro verloren. Auch der von der Wall-Street-Legende Richard Perry geführte New Yorker Fonds Perry Capital, hat sich den Kreisen zufolge in gigantischem Ausmaß verspekuliert. Brancheninsider sprechen davon, dass zahlreiche weitere Hedgefonds und auch Investmentbanken bei Volkswagen gerade einen Alptraum erleben

Die Übernahme der VW- Mehrheit könnte freilich auch für Porsche teurer werden als gedacht. Der Konzern müsse dann ein Übernahmeangebot an die Aktionäre des schwedischen Lkw-Konzerns Scania vorlegen, teilte die Finanzmarktaufsicht in Stockholm mit. VW hält mit 68,6 Prozent der Stimmrechte die Mehrheit an Scania, hatte aber eine Ausnahmegenehmigung erhalten, kein Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Diese gilt für Porsche aber nicht, wie die Aufsichtsbehörde betonte.

Am Dienstag zwang die Kursentwicklung der VW-Aktie zahlreiche Investoren, VW-Titel zu kaufen – etwa Fonds, die den Dax abbilden und deshalb die im Index enthaltenen Aktien laufend neu gewichten müssen. Das VW-Papier machte zeitweise die Hälfte des gesamten Dax- Börsenwertes aus. Am Dienstag reichte die Kursexplosion bei den VW-Papieren aus, um den Dax um rund zehn Prozent ins Plus zu hieven, während fast alle anderen Aktien im Minus standen.

Der Kurssprung ruft auch die Finanzmarktaufsicht Bafin auf den Plan. Sie teilte mit, sie analysiere die Entwicklung.

Kritik an Porsche kam von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Deren Chef, Klaus Kaldemorgen, nannte das Vorgehen unverantwortlich. „Alle spielen mit offenen Karten, nur einer spielt mit verdeckten“, sagte er. Porsche wies eine Verantwortung für die Kursausschläge zurück. „Verursacher sind diejenigen, die mit riesigen Summen auf fallende VW-Kurse gesetzt haben“, so ein Sprecher. Gleichwohl gehen Analysten davon aus, dass Porsche die Mitteilung am Sonntag gezielt veröffentlicht hatte.

Die Deutsche Börse erklärte, es gebe keine Überlegungen, die VW-Aktie aus dem Dax zu nehmen. „Solange fünf Prozent der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung“, sagte ein Sprecher. Händler nannten das Verhalten der Börse unverantwortlich, weil der Dax seine Aussagekraft verliere. Nach den Regeln darf eine Einzelaktie nicht mehr als zehn Prozent Gewicht am Dax haben.

Entspannt beobachten dürfte die VW- Kursexplosion das Land Niedersachsen. Als der Aktienkurs des Autobauers am Dienstag die 1000-Euro-Marke knackte, war das Land – auf dem Papier – um knapp 47 Milliarden Euro reicher als am Wochenende. Niedersachsen erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt von 207 Milliarden Euro. Der Kursgewinn entspricht also einem Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung der knapp acht Millionen Niedersachsen. mit dpa, HB

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben