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Aktienmärkte : Dax stürzt um mehr als fünf Prozent ab

Europas Börsen bleiben unter Druck: Am Nachmittag fiel der Dax um mehr als fünf Prozent. Die Zahlen aus London und Paris sind kaum besser. Besonders betroffen sind Banktitel.

Der Dax fiel am Montagnachmittag zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.
Der Dax fiel am Montagnachmittag zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.Foto: Reuters

Die deutschen und europäischen Aktienmärkte haben ihren Tiefenrausch am Montag mit erhöhter Geschwindigkeit fortgesetzt. Konkrete Gründe gab es nicht, verantwortlich war vor allem die schlechte Stimmung. Zum Beginn der Börsenwoche schlug kurz vor dem Handelsschluss im Computerhandel ein fettes Minus von 5,13 Prozent auf 5253,96 Punkte zu Buche, der Trend zeigte jedoch am Ende wieder ein bisschen nach oben. Zeitweise war ein Zweijahrestief erreicht worden. Besonders hart traf es die Deutsche Bank.

Den größten Tagesverlust seit Beginn des Abwärtstrends hatte der Dax im August (18.8.) mit einem Minus von 5,82 Prozent am „Schwarzen Donnerstag“ verkraften müssen. Das war der größte Verlust an einem einzigen Tag seit November 2008, dem Höhepunkt der Finanzkrise, gewesen.
Als Gründe für das Montagsminus wurden erneut die anhaltenden Konjunktur- und Schuldensorgen genannt, insbesondere mit Blick auf Griechenland und Italien. Der EuroStoxx50 mit den wichtigsten Aktien der Eurozone sackte um 4,89 Prozent auf 2112,13 Punkte ab. Die New Yorker Wall Street blieb wegen eines Feiertags geschlossen.

Händler berichteten, jede schlechte Nachricht oder Spekulation schlage sich sofort in den Kursen nieder. Dieser extreme Pessismus hatte bereits den Monat August geprägt - dem schloss sich dann in der vergangene Woche ein Aufwärtstrend an, der sich nun aber als kurzes Zwischenhoch entpuppte. Im Vergleich zum Jahreshoch bei 7600 Punkten Anfang Mai liegt das Dax-Minus inzwischen bei gut 30 Prozent.

Als Belastungsfaktor sah Marktanalystin Louise Cooper von BGC Partners die ungeachtet massiver Aufkäufe durch die Europäische Zentralbank wieder gestiegenen Renditen für italienische Staatsanleihen, nachdem Ministerpräsident Silvio Berlusconi sein Sparpaket verwässert habe.
Spitzenpolitiker aus aller Welt, darunter Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dementierten Gerüchte über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone, die ebenfalls die Märkte belasteten.

Das hoch verschuldete Land stehe zu seinen Zusagen gegenüber den Euro-Partnern, beschwichtigte auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bei einem Besuch in Australien.

Die Aktien der Deutschen Bank rutschten als schwächster Dax-Wert um 8,38 Prozent auf 23,84 Euro in die Tiefe. Hintergrund waren vor allem neue rechtliche Probleme in den USA und in Großbritannien.
Vorstandschef Josef Ackermann malte zugleich auf einer Tagung in Frankfurt ein düsteres Bild der Branche und stellte Vergleiche mit der Situation im Herbst 2008 her. Zuvor waren die Papiere zwischenzeitlich auf ihren tiefsten Stand seit März 2009 gefallen.
„Nach großen Krisen werden Banken immer wieder mit Klagen konfrontiert“, sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Capital Markets.
Sie sollten aber nicht überbewertet werden. Auch andere Bankaktien mussten herbe Verluste hinnehmen, darunter im EuroStoxx die italienische Intesa und die niederländische ING-Gruppe. Am Dax-Ende tummelten sich außerdem die Autokonzerne Daimler und BMW mit Abschlägen von mehr als sechs Prozent sowie die Infineon-Aktie.

Gold lag hingegen am Montag leicht im Plus und bewegte sich mit Kursen von knapp unter 1900 Dollar wieder auf seinen Rekord vom August zu. Die Ölpreise gingen leicht zurück. Auch damit setzte sich der Trend vom August fort, erläuterten Börsenexperten: Fällt die Börse, steigt Gold, das als „sicherer Hafen“ und Krisenwährung gilt.

Die Ölpreise belasten wiederum die Aussicht auf eine schwächelnde Konjunktur weltweit - oder gar eine Rezession. Der Euro-Kurs fiel im Nachmittagshandel unter die Marke von 1,41 Dollar. (dpa)

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