Wirtschaft : Aktienmärkte ignorieren Eurostärke

Im Vorfeld der Zinsentscheidung der US-Notenbank steigen die Kurse kräftig. Euro auf Allzeithoch

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Berlin (akz). Während der Dollar auf den internationalen Devisenmärkten am Dienstag weiter schwächelte und der Euro ein Allzeithoch bei 1,2275 Dollar markierte, zeigten sich die Anleger auf dem deutschen Aktienmarkt unbeeindruckt. Der Deutsche Aktienindex Dax lag im Handelsverlauf deutlich in der Gewinnzone. Gegen 16 Uhr tendierte der Index 1,8 Prozent im Plus bei 3874,19 Punkten. Der Referenzkurs des Euro wurde von der EZB mit 1,2258 Dollar festgelegt. Am Nachmittag wurde der Euro an den Devisenmärkten wieder etwas schwächer mit 1,2234 Dollar gehandelt.

„Die ungünstige Wirkung der Eurostärke auf den Export der deutschen Wirtschaft wird zur Zeit durch die anziehende weltweite Konjunktur kompensiert“, erklärt Stefan Mitropoulus, Aktienstratege bei der Bankgesellschaft Berlin, den Optimismus der Börsianer. Der im Vergleich zum Dollar stärkere Euro bewirkt, dass europäische Produkte weltweit teurer und Waren aus den USA billiger im Vergleich zu europäischen Gütern werden.

Wegen der sich abzeichnenden Erholung der US-Wirtschaft erwarten die Anleger am Dienstagabend mit Spannung die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed (siehe Lexikon). „Mit einer Zinserhöhung rechnen wir zwar erst im Frühjahr oder Mitte 2004“, sagte Mitropoulus. Jedoch achten die Experten besonders auf die Begründung, die die Fed geben wird. Im Blickpunkt steht dabei der Ausblick der Zentralbank, der einen Rückschluss auf den Zeitpunkt der Zinserhöhung geben könnte. „Bleibt der Ausblick dabei, dass es noch länger bei dem niedrigen Zinsniveau von 1,0 Prozent bleibt, wird das den Aktienmärkten gut tun“, so Mitropoulus. Zuletzt hatten die Daten zum US-Arbeitsmarkt nur einen verhaltenen Stellenzuwachs ausgewiesen und damit Risiken für ein robustes US-Wachstum aufgezeigt. „Vor diesem Hintergrund dürfte die Fed in der Begründung weiterhin eine neutrale Position einnehmen“, sagte Thomas Amend, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die Konjunkturerwartungen von Finanzmarktanalysten in Deutschland verbesserten sich unterdessen im Dezember weiter. Der entprechende Indikator des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg von 67,2 Punkten im November auf 73,4 Punkte, wie es am Dienstag hieß. Die positiven Perspektiven würden unter anderem vom kräftigen Auftragseingang in Deutschland und der robusten US-Konjunktur gestützt, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die Euro-Aufwertung spiele dagegen derzeit eine untergeordnete Rolle.

Erste Zeichen der zunehmenden Eurostärke machen sich jedoch im deutschen Außenhandel bemerkbar. So lag der Export in die USA im September 5,1 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, wie das Statistikamt Destatis am Dienstag mitteilte. „Das resultiert aber aus der Entwicklung des Euros im ersten Halbjahr“, sagte Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Deka-Bank. In die Eurozone stiegen die Exporte um 10,6 Prozent zum Vorjahr. Viele Experten erklären diese starke Entwicklung damit, dass die Konjunktur in der Eurozone wieder spürbar zugenommen habe. „Da amerikanische Produkte auf dem europäischen Markt preiswerter geworden sind, ist die Zunahme der Ausfuhren Deutschlands in diese Region um so erfreulicher“, so Scheuerle. Die Eurozone hat nach Destatis-Angaben den größten Anteil an den deutschen Ausfuhren - in diesem Jahr liegt der Anteil bei 42,8 Prozent. In die USA gingen dagegen nur 9,5 Prozent aller Ausfuhren.

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