Wirtschaft : Aktienmärkte in Fernost bleiben weiter nervös

TOKIO (AFP/rtr).Vor der mit Spannung erwarteten Krisensitzung der führenden Industrieländer (G-7) und asiatischen Staaten haben die USA die japanische Regierung am Freitag unmißverständlich aufgefordert, ihr Land vor dem finanziellen Zusammenbruch zu bewahren.Japan müsse etwas gegen den Berg fauler Kredite tun, die die Bankenwelt bedrohten, sagte US-Vizefinanzminister Lawrence Summers in Tokio.

Die USA hätten ein großes Interesse daran, daß Asien wieder zu nachhaltigem Wachstum zurückkehre.Am Samstag wollten die G-7 in Tokio mit 14 Staaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum über die Asienkrise beraten.

Summers betonte, er sei froh, daß die Intervention der USA zur Stabilisierung des Yen am Mittwoch Erfolg gezeigt habe.Die japanische Währung war durch die Intervention von einem historischen Tiefstand von über 146 Yen auf bis Freitag etwa 134 Yen gestiegen.Als Folge des Yen-Anstieg festigten sich auch die meisten übrigen asiatischen Währungen.Doch die Anleger sind nervös.Davon zeugen die starken Kursschwankungen an den asiatischen Finanzmärkten: Kursstürze Anfang der Woche im Zuge des Yen-Verfalls, Kurssprünge nach der Devisenmarktintervention der USA und Japans am Mittwoch, erneute Kursverluste an den meisten Aktienbörsen in Fernost am Freitag.Die Börse in Tokio schloß wegen Gewinnmitnahmen nach dem starken Kursanstieg von Donnerstag am Freitag allerdings mit leichtem Verlust: Der Nikkei-Index fiel um 0,6 Prozent auf 15.267,98 Punkte.

Daß Japan entschiedene Maßnahmen zur Überwindung der Wirtschaftskrise ankündigt, darauf haben sich die Finanzexperten schon eingestellt.Ebenso klar dürfte sein, daß die G-7 ihre Unterstützung für die Stabilität der ostasiatischen Staaten bekunden werde.Fachleute sehen in den gemeinsamen Yen-Käufen der US-Notenbank Fed und der Bank von Japan einen entscheidenden Wendepunkt.Erstmals seit sechs Jahren griff die mächtige Fed zugunsten der japanischen Währung in den Devisenhandel ein.Nun würden die USA und die anderen großen Industrieländer deutlich machen, daß die Überwindung der Krise in Asien Priorität gewonne habe.

Die Tageszeitung "Mainichi Shimbun" berichtete, die Regierung wolle nach den Wahlen zum Oberhaus am 12.Juli die dauerhafte Senkung der Lohnsteuer sowie von Unternehmenssteuern beschließen.Dies habe Ministerpräsident Ryutari Hashimoto US-Präsident Bill Clinton in einem Telefongespräch zugesagt.

Finanzminister Hikaru Matsunaga sagte, derzeit sei keine der 19 großen Banken des Landes von Konkurs bedroht.Japans Banken sitzen auf riskikobehafteten Krediten zwischen 77 und 100 Billionen Yen (bis zu 1,2 Billionen DM).

Unterdessen zeichnete sich der Zusammenbruch der zweitgrößten japanischen Langzeitkreditbank, der Long-Term Credit Bank (LTCB), ab.Die LTCB soll faule Kredite im Wert von umgerechnet über 18 Mrd.DM vor sich herschieben.Die Nachrichtenagentur Kyodo News meldete am Freitag, die schwer angeschlagene LTCB solle zur Fusion mit der Nummer drei in der Branche, der ebenfalls angeschlagenen Nippon Credit Bank, gezwungen werden.Beide Bankhäuser dementierten entsprechende Fusionspläne.Der Handel mit Aktien beider Geldinstitute wurde am Freitag zeitweise ausgesetzt.Zuvor hatten die LTCB-Aktien binnen zwei Wochen die Hälfte ihres Wertes verloren.

Die Bank weist für das im März abgelaufene Geschäftsjahr einen Vorsteuerverlust von 282,7 Mrd.Yen (3,6 Mrd.DM) aus.Anfang der Woche hatte die Deutsche Verkehrs-Bank von der LTCB für 1,57 Mrd.Dollar (2,83 Mrd.DM) den Geschäftsbereich Flugzeug- und Schiffsfinanzierung gekauft.

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