Wirtschaft : Aktienmarkt: Im Juni sind Hightech-Titel die größten Verlierer

Veronika Csizi

Das Unwort des Monats heißt Gewinnwarnung. Vor schrumpfenden Umsätzen und bröckelnden Gewinnen gewarnt hat im Juni schon beinahe alles, was in Sachen Hightech Rang und Namen hat: Nokia, Nortel Networks, Applied Micro Devices, JDS Uniphase oder die Halbleiter-Unternehmen ST Microelectronics und die Chip-Sparte bei Philips. Da war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Infineon an der Reihe sein würde. Das auf Kommunikationschips spezialisierte Unternehmen schockte den Markt mit der Ankündigung, man werde im heute zu Ende gehenden Quartal in die roten Zahlen rutschen, und zwar deutlich: Bis zu 1,2 Milliarden Mark an Verlusten drohten, so Infineon. Die Quittung des Marktes folgte prompt: Der Kurs der Aktie - er lag vorexakt einem Jahr bei 92 Euro - sackte bis auf gut 26 Euro ab und damit erstmals wieder deutlich unter den Ausgabepreis von 35 Euro. Und die unerwartet drastische Infineon-Warnung zehrte am Dax.

Nachdem der deutsche Standardwerte-Index zu Monatsbeginn beim neuerlichen Versuch eines Ausbruchs auf das Mai-Hoch bei knapp 6 300 Punkten kläglich gescheitert war, fiel er zur Monatsmitte wie ein Stein erneut unter die 6000er-Marke. Am Monatsende stach nach kurzer Ladehemmung dann aber die Greenspan-Karte. Der US-Notenbankchef hatte die Leitzinsen ein weiteres Mal gesenkt, allerdings "nur" um 25 Basispunkte. Bis gestern Nachmittag hatte der Dax die 6000-Punkte-Marke wieder zurückerobert: Der Juni blieb also per Saldo ein weiterer Monat der Bodenbildung. Von Sommerrallye keine Spur.

Ist die Tochter krank, dann leidet die ganze Familie: Neben Infineon gehörten Siemens und Epcos zu den größten Verlierern im Juni. Die Halbleitertochter verlor über 30, die Bauelemente-Schwester und die Mutter rund 20 Prozent. Dass Stimmung und Lage sich gegenseitig negativ beeinflussen, zeigte der jüngste Ifo-Geschäftsklima-Index: Die Wirtschaft ist so pessimistisch wie lange nicht mehr. Und die aktuelle Inflationsrate von 3,4 Prozent im Euro-Raum ernüchterte schließlich auch alle, die sich Schubkraft von der Zinsseite erwartet hatten.

Gegen den schwachen Hightech-Trend stemmen konnte sich dagegen SAP. Das Softwarehaus profitierte von einem der wenigen Lichtblicke des Monats. Konkurrent Oracle hatte ein Ergebnis gemeldet, das sogar leicht über den Erwartungen der Analysten lag. Auch eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank nutzte dem Marktführer für Unternehmenssoftware. Die Bank sieht SAP binnen zwölf Monaten bei 205 Euro. Das Unternehmen profitiere nun davon, dass man sich bei der Kundenwahl stark an die Old Economy angelehnt habe, sagte Konzernchef Hasso Plattner.

Dass Gewinnwarnungen nicht vor reinrassigen Substanzwerten Halt machen, bekamen die Anleger von BASF, Bayer und Lufthansa zu spüren. Der Ludwigshafener Chemiekonzern revidierte gleichwohl bisher nur seine Prognose für das laufende Quartal nach unten. Für das Gesamtjahr sieht die BASF ihre Ertragsziele noch erreichbar, wenn auch nur "mit allergrößter Mühe". Bayer litt nach seiner Warnung zusätzlich an mehreren Abstufungen namhafter Banken - beispielsweise Goldman Sachs, die den Leverkusener Chemiekonzern erst zu Monatsbeginn zum Kauf empfohlen hatten. Der Lufthansa machten der jüngst besiegelte Gehaltsschub für die Piloten und der hohe Ölpreis zu schaffen. Die Aktie setzte ihren Mitte Mai begonnenen Sinkflug auch im Juni bis unter 18 Euro fort.

Auch die Aussicht auf Nachwuchs gab dem Dax keinen echten Schwung: Die Deutsche Börse entschied, dass MLP in den Premiumindex aufrückt, sollte die Allianz mehr als drei Viertel der Dresdner Bank übernehmen. Der Heidelberger Finanzdienstleister gilt als eine der großen Erfolgsgeschichten der deutschen Wirtschaft und wird bereits jetzt als M-Dax-Wert drei Mal höher bewertet als Adidas, mehr als doppelt so hoch wie Epcos oder Henkel. Bei Umsatz und Gewinn kann MLP mit den meisten Dax-Kollegen indes noch nicht mithalten: Daimler-Chysler beispielsweise setzt rund 200 Mal mehr um als MLP, ist aber nur zehn Mal höher bewertet.

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