Aktienmarkt : Wieder über 8000 Punkte

Der Dax nähert sich den Rekordständen, die er vor der Finanzkrise hatte. Trotzdem gibt es weiterhin belastende Faktoren. Die Aktienmärkte setzen derweil auf niedrigere US-Zinsen.

Bernd Hops

BerlinDie Hoffnung auf eine erneute Zinssenkung in den USA beflügelt die Finanzmärkte weltweit. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verzeichnete am Montag kurz vor Handelsschluss ein Plus von 0,7 Prozent auf 8008 Zähler und nähert sich wieder den historischen Höchstständen vom Sommer, als die US-Hypothekenkrise zu starken Kursverlusten führte. Dabei gibt es weiterhin viele belastende Faktoren. Der Euro kletterte zeitweise auf das Rekordhoch von 1,4437 Dollar. Dadurch verteuern sich die Exporte der europäischen Unternehmen in den Dollar-Raum. Ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl kostete das erste Mal 93,20 Dollar. Teure Energie könnte die Inflation verstärken und so ein Hindernis für niedrigere Zinsen darstellen. Die Verbraucher in Deutschland müssen sich außerdem nach Einschätzung des Fachblatts Energieinformationsdienst (EID) auf Rekordpreise bei Heizöl, Diesel und wahrscheinlich auch Benzin einstellen.

Finanzmarktexperten sind davon überzeugt, dass die US-Notenbank Fed ihren wichtigsten Zinssatz um 0,25 Punkte auf 4,5 Prozent senken wird, um die US-Konjunktur zu stabilisieren. Das würde dem Euro gegenüber der US-Währung Auftrieb geben, weil vorerst nicht damit gerechnet wird, dass die Europäische Zentralbank ebenfalls die Zinsen senkt. Die Experten der Commerzbank rechnen laut einer aktuellen Analyse damit, dass am Jahresende etwa 1,45 Dollar für einen Euro bezahlt werden müssen.

Alles hängt davon ab, wie die Daten, die in den kommenden Tagen zur wirtschaftlichen Entwicklung in den USA veröffentlicht werden, ausfallen. Seit Juli drückt die Kreditkrise, die durch den schwächelnden US-Immobilienmarkt ausgelöst wurde, auf die Kurse und auf die Konjunkturaussichten. Einige Experten befürchten sogar, dass die USA, die größte Volkswirtschaft der Welt, in eine Rezession rutschen könnte. Die Zahlen für das dritte Quartal – eine erste Schätzung für die USA wird am Mittwoch veröffentlicht – könnten eine Achterbahnfahrt beim Dollarkurs auslösen, schätzt die Commerzbank. Besonders wenn die Konjunkturdaten besser ausfallen als erwartet und die Fed von einer Zinssenkung abgehalten wird.

Ad van Tiggelen, Seniorstratege der niederländischen Investmentbank ING, sieht genug Spielraum für billigeres Geld. „Da der US-Leitzins bei strammen 4,75 Prozent liegt, ist dieses Heilmittel noch reichlich vorhanden“, schreibt er in einer am Montag veröffentlichten Analyse. Dies sei auch der wirksamste Weg, das Abrutschen in eine Rezession in den USA und eine Ansteckung des globalen Finanzsystems zu verhindern. Daneben dürfte US-Präsident George W. Bush nach van Tiggelens Einschätzung den wieder größeren Finanzspielraum im Staatshaushalt nutzen, um die Wirtschaft etwa durch eine öffentliche Unterstützung der Opfer der Hypothekenkrise zu stützen.

Für Unsicherheit sorgt der Ölmarkt. Die Experten der französischen Bank Société Générale (SG) schreiben in einem Bericht: „Eine knappe Versorgung, die Nachfrage und der schwächere Dollar könnten den Ölpreis noch höher drücken, so dass er das erste Mal die 100-Dollar-Grenze durchbricht.“ Laut Rainer Wiek, Chefredakteur des EID, sieht es derzeit „nicht gut für die Verbraucher aus“. Beim Heizöl werde wahrscheinlich bald der Rekord vom September 2005 – 67 Euro je 100 Liter – fallen. Mit dem Heizöl werde auch der Dieselpreis nach oben gezogen. Der bisherige Höchstpreis von 1,23 Euro werde wahrscheinlich auch bald übertroffen. „Der stärkere Euro bremst zwar die Entwicklung, aber er kann sie nicht ganz ausgleichen“, sagte Wiek.

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