Aktienspekulation : Merckle kann Insolvenz abwenden

Adolf Merckle, Ulmer Unternehmer und fünftreichster Mann Deutschlands, kann sein Firmenimperium retten. Der Milliardär einigte sich mit den Banken auf die Eckpunkte eines Sanierungskonzepts. Merckle hatte sich mit VW-Aktien hochgradig verspekuliert.

Merckle
Adolf Merckle. Der Unternehmer konnte sich mit den Banken einigen. -Foto: dpa

UlmDer Ulmer Unternehmer Adolf Merckle hat sich mit den Banken auf Eckpunkte eines Sanierungskonzepts für sein ins Wanken geratenes Firmenimperium geeinigt. Der Milliardär werde das Angebot der rund 30 Gläubigerbanken aber erst noch bis Anfang nächsten Jahres prüfen, sagte ein Merckle-Sprecherin am Mittwoch. "Wir müssen die Unterlagen sichten und die Formalia klären." Damit dürfte nach wochenlangem zähen Ringen das weit verzweigte Firmengeflecht Merckles aber vorerst gerettet sein, eine Insolvenz seiner Vermögensverwaltung VEM ist zunächst vom Tisch. Der Milliardär war wegen der Finanzkrise und Aktienspekulationen in Finanznöte geraten.

Die Merckle-Sprecherin wollte zu den Eckpunkten des Sanierungskonzepts am Mittwoch keine Details nennen. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge boten die Banken dem Unternehmer einen Überbrückungskredit bis Ende März über 110 Millionen Euro. In dieser Zeit solle ein Sanierungsplan für die Unternehmensgruppe ausgearbeitet und ein längerfristiger Kredit ausgehandelt werden. Im Gegenzug dazu soll Merckle dem Bericht zufolge die Kontrolle über wichtige Teile seiner Firmengruppe abtreten.

Die Banken sollen von dem 74 Jahre alte Milliardär unter anderem fordern, seine Anteile an Deutschlands größtem Baustoffhersteller Heidelberg-Cement abzugeben. Demnach sollen die knapp 80 Prozent der Anteile, die Merckle über die Firma Spohn Cement und VEM an dem Baustoffhersteller hält, zunächst an einen Treuhänder fallen. Dieser solle dann einen Verkauf organisieren. Diese Möglichkeit war während der Verhandlungen immer wieder diskutiert worden.

Merckle gilt als fünftreichster Mann in Deutschland

Außerdem soll sich Merckle dem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise auch von Teilen des Generikaherstellers Ratiopharm und des Pharmahändlers Phoenix trennen. Ob Merckle die Firmen ganz oder teilweise halten kann, dürfte dem Bericht zufolge vor allem davon abhängen, welche Werte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ermittle, die derzeit an einem Gutachten arbeitet. Davon hänge auch die Höhe des neuen Sanierungskredits ab. Dieser soll laut Bericht eine Laufzeit von 12 bis 18 Monaten haben und verhindern, dass die Firmen unter Zeitdruck verkauft werden müssen.

Nach Informationen aus Finanzkreisen beläuft sich der Finanzierungsbedarf Merckles auf 700 Millionen bis einer Milliarde Euro. Weitere Quellen sprechen davon, dass auf der VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten.

Hintergrund der Krise sind Kapitalerhöhungen vor allem bei Heidelberg-Cement, die teilweise mit Krediten finanziert wurden. Als Sicherheiten für diese Kredite wurden Aktien hinterlegt, deren Wert durch die Finanzkrise abgestürzt ist. Die Banken verlangten daher zusätzliche Sicherheiten für ihre Kredite. Außerdem hatte sich der Milliardär bei Wetten mit VW-Aktien verzockt und einen dreistelligen Millionenbetrag verloren.

In den Firmen von Merckle und seiner Familie sind mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigt, der Jahresumsatz liegt bei 30 Milliarden Euro. Einen Großteil davon erwirtschaften Ratiopharm, HeidelbergCement und Phoenix. Rund 100 Unternehmen sollen dem schwäbischen Milliardär gehören. Mit einem geschätzten Vermögen von 9,2 Milliarden Dollar gilt Merckle als fünftreichster Mann in Deutschland. Dieses Vermögen steckt nach Informationen aus Finanzkreisen überwiegend in seinen Firmen. (jg/dpa)

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