Wirtschaft : Aktientipp: Spanne zwischen Stämmen und Vorzügen birgt Chancen

tmo

Anleger können von sinkenden Kursunterschieden zwischen den Vorzugs- und den Stammaktien eines Unternehmens profitieren. Die Investmentbank UBS Warburg empfiehlt derzeit, auf eine Angleichung dieser Differenz bei Volkswagen zu spekulieren. Die Technik, mit der das funktionieren kann, klingt kompliziert, ist aber im Grunde recht einfach: Die Vorzugsaktien eines Unternehmens notieren in aller Regel niedriger als die Stammaktien der gleichen Gesellschaft. Denn trotz ihres klangvollen Namens haben Vorzugsaktien einen entscheidenden Nachteil:Ihr Besitz ist - anders als bei Stammaktien - nicht mit einem Stimmrecht bei der Hauptversammlung des betreffenden Unternehmens verbunden. Wer Vorzugsaktien hält, bekommt zwar Dividendenzahlungen, darf aber nicht mitreden in der Firmenpolitik.

Der Kursnachteil der Vorzüge verringert sich stark, wenn ein Unternehmen seine Vorzugsaktien zurückkaufen oder in reguläre Stammaktien tauschen will. Dann steigt typischerweise der Kurs der Vorzugsaktie, während der Kurswert der Stammaktie zurückfallen kann. So zum Beispiel bei den Dax-Titeln Metro und MAN: Beide kündigten in den vergangenen Monaten Maßnahmen an, die Zahl ihrer Vorzugsaktien zu verringern. Der Abstand zwischen Vorzugs- und Stammaktien hat sich darauf deutlich verringert.

Wer solche Angebote rechtzeitig erahnt, kann also kräftige Gewinne einfahren: Er kauft einfach Vorzugsaktien und wartet auf steigende Kurse. Zusätzlich kann ein mutiger Anleger die Stammaktien des betreffenden Unternehmens "leerverkaufen". Bei einem so genannten Leerverkauf profitieren Anleger von fallenden Kursen, weil sie Aktien gewissermaßen verkaufen, ohne sie zu dem Zeitpunkt zu besitzen. Allerdings sind Leerverkäufe kompliziert und mit spezifischen Risiken verbunden, die jeder Anleger sich vor einem Engagement von seiner Bank erläutern lassen sollte.

Eine ähnliche Entwicklung wie bei Metro und MAN erwartet die Investmentbank UBS Warburg für Volkswagen. Der Wolfsburger Automobilkonzern hat nach Einschätzung des UBS-Experten Ralf Kugelstadt einen guten Grund, möglichst viele Vorzüge in Stammaktien umzuwandeln: Eine solche Umwandlung könnte das Gewicht von Volkswagen im Deutschen Aktienindex auf einen Schlag um rund 40 Prozent erhöhen, schätzt der Analyst. Denn nur der Wert aller Stammaktien entscheidet über die Bedeutung von Volkswagen im wichtigsten Kursbarometer der Frankfurter Börse.

Gleichzeitig könnte die VolkswagenStammaktie durch ihr höheres Gewicht in den europäischen Aktienindex Euro-Stoxx 50 rutschen. Beides würde die Nachfrage nach Volkswagen-Titeln fördern, weil viele Anleger sich beim Aktienkauf an den Indizes orientieren. Der Kurs würde dadurch nach oben getrieben. "Wir glauben, dass diese Chance für VW zu verlockend ist, um sie auszuschlagen", argumentiert UBS-Experte Kugelstadt. Deshalb empfiehlt er, auf ein Absinken der Kursdifferenz zwischen Volkswagen-Vorzügen und -Stämmen zu spekulieren. Also Stämme zu Verkaufen und Vorzüge zu kaufen.

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