Wirtschaft : Aktientipps: Auch mit der Dividende kann man gut verdienen

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Auch in schlechten Aktienjahren muss eine Flucht ins klassische Sparbuch nicht unbedingt die beste Wahl sein. Denn sechs, acht oder gar zehn Prozent an jährlichen "Zinsen" lässt sich mit einer Reihe gut verdienender Unternehmen durchaus auch einheimsen. So hoch ist nämlich die Dividendenrendite zahlreicher börsennotierter Firmen hierzulande. Jetzt, wo die Zeit der Hauptversammlungen beginnt und damit auch die der Ausschüttungen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die vermeintlich hohen Ausschüttungen.

Das "Sahnhäubchen" der Aktie

Norddeutsche Affinerie: Die Kupferhütte legt beim Umsatz und Gewinn kontinuierlich zu. Vor allem die Branchen Elektronik und Telekommunikation brauchen immer mehr Kupfer. Doch auch für die Produktion von Brennstoff- und Solarzellen liefert die Affinerie den Rohstoff. Selbst unter einer sich abschwächenden Konjunktur leide der europäische Marktführer nicht, sagtdas Bankhaus Lampe und empfiehlt den Wert aus dem S-Dax zum "Kauf". Die hohe Dividendenrendite von knapp sechs Prozent ist für viele Anleger ein "Sahnehäubchen" auf dem fundamentalen Potenzial der Aktie.

Daimler-Chrysler: Bei den Stuttgartern ist die Ausschüttung mehr als ein "Bonbon". Hohe Verluste bei Chrysler haben den Automobilbauer in Turbulenzen gebracht. Der Aktienkurs halbierte sich. Erst als Vorstandschef Jürgen Schrempp eine unveränderte Dividende versprach, stoppte der Kursverfall. Analysten sind sich einig, dass die hohe Dividendenrendite maßgeblich hilft, der Aktie in schwierigen Zeiten etwas Stabilität zu verleihen.

Agiv: Die hohe Dividendenrendite ergibt sich aus den Erlösen der Beteiligungsverkäufe, die weitgehend an die Aktionäre weitergegeben wurden. Doch in diesem Jahr wird der Immobilienkonzern möglicherweise nichts ausschütten.

IKB: Die Aktie eignet sich für vorsichtige Anleger. Der Kurs schwankt kaum, die Mittelstandsbank wächst solide, und Überraschungen sind nicht zu erwarten. Seit Jahren kassieren Aktionäre eine hohe Dividende. Auch in Zukunft gilt dies als sicher.

Schnigge: Zu dem jetzigen Kursniveau würde der Börsenmakler eine fast 20-prozentige Rendite zahlen. Doch die Düsseldorfer verknüpften eine Gewinnwarnung mit einer Reduzierung der Dividende auf "voraussichtlich" 40 Cent je Aktie. Das ergäbe immer noch eine Rendite von knapp zehn Prozent. Dennoch raten Analysten zur Vorsicht, denn die Talfahrt an den Börsen macht den Maklerfirmen mit ihren Geschäftsfeldern wie Neuemissionen, Venture Capital oder Vermögensberatung schwer zu schaffen. Sollten sich die Aktien nicht bald wieder auf breiter Front erholen, drohen weitere Umsatz- und Gewinneinbußen - und damit neue Dividendenkürzungen. Wer allerdings auf eine Trendwende an den Börsen setzt, darf bei Schnigge, Baader, MWB und Kling Jelko auf den absehbaren "Kurs-Turnaround" hoffen.

Chemiewerte favorisiert

Seit über einem Jahr laufen defensive Aktien mit einer zum Teil hohen Dividendenrendite sehr gut. Doch "die Dynamik lässt nach, und das deutet darauf hin, dass wir den Gipfel bereits hinter uns haben", warnt Gertrud Traud von der Bankgesellschaft. Es rechne sich jetzt nicht mehr, auf den "Modezug" der Value-Aktien - defensive Substanzwerte - aufzuspringen. "Alle reden jetzt von Value. Doch gerade deshalb erwarte ich von diesen Aktien nicht mehr viel. Die Luft ist raus." Dagegen favorisiert die WGZ-Bank defensive Sektoren, so lange sich die konjunkturellen Risiken nicht verringern und die Ertragssituation der Firmen unklar bleibt. Auch Adig-Fondsmanagerin Heidrun Heutzenröder setzt auf eine Fortsetzung des "Runs" auf sichere Werte. "Zyklische Aktien, die zum Teil viel Dividende abwerfen, laufen jetzt gut im Vorgriff auf die erwartete Konjunkturerholung." Zu ihren Favoriten zählt die auf Europa spezialisierte Expertin für den Dax den Bereich Chemie (Bayer und BASF) und für die kleineren Börsensegmente die seit Jahren unbeliebte Baubranche.

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