Wirtschaft : Aktionäre äußern sich zufrieden - Immobilienskandal ist kein Thema mehr

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Die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (BHV) AG, München, kann sich nach der Bewältigung ihres Immobiliendesasters überwiegend wieder in der Gunst ihrer Aktionäre sonnen. "Der Kurs stimmt", bescheinigte ein Aktionärsvertreter vor der Hauptversammlung am Mittwoch dem Management um Konzernchef Albrecht Schmidt. Kritische Stimmen blieben die Ausnahme. So monierte ein Aktionär, dass der Wirtschaftsprüfer KPMG weiter die Bilanzen prüfe, obwohl er sich beim Immobilienflop "nicht mit Ruhm bekleckert hat". Ein anderer rügte Fehler bei der Vermittlung von Privatimmobilien sowie Beratungsdefizite im Zuge der Fusion von Hypo- und Vereinsbank zur BHV.

Der ehemalige Hypo-Vorstand Hans Fey klagte Schmidt an, "die Hypo zu verwenden, um eigenen Schrott zu entsorgen". In der hohen Risikovorsorge der BHV für 1999 vermutet er viele Geschäfte, die die frühere Bayerische Vereinsbank zu verantworten habe. Neben der KPMG hätte sich nun auch die Wedit als Prüfer der früheren Hypo-Bank angesichts ihrer Rolle bei der BHV-Immobilienpleite zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet, entgegnete Schmidt. Die Summen soll dem Vernehmen nach bei je knapp zehn Millionen Mark liegen. Zudem habe die KPMG ihr BHV-Prüferteam gewechselt, begründete Aufsichtsratschef Kurt Viermetz das Festhalten an der Gesellschaft. Im Komplex privater Immobiliengeschäfte seien bislang 119 Fälle vor Gericht gegangen und dabei 107 Urteile zugunsten der BHV gefällt worden. In den restlichen zwölf Fällen sei die BHV teils in Berufung gegangen.

Eine Aufgliederung der Risikovorsorge für 1999 auf die BHV-Vorgänger Hypo- sowie Bayerische Vereinsbank lehnte Schmidt ab und schaute lieber in die Zukunft. Die soll im Zeichen europaweiter Zukäufe und Kooperationen stehen. Um "unsere Einkaufskasse bei Bedarf zu füllen", bat Schmidt die 3500 anwesenden Anteilseigner um die Ermächtigung zu Kapitalerhöhungen im Umfang von gut 1,1 Milliarden Mark. Das bestehende finanzielle Polster der BHV bezifferte er per Ende März 2000 auf rund 25 Milliarden Mark. Konkret wurde er mit seinen Kaufplänen jedoch nicht. Einer Fusion mit der Dresdner oder der Commerzbank erteilte Schmidt erneut eine Absage. Das würde nicht in das Profil der BHV als Bank der Regionen passen. Zudem verfüge die BHV über eine ausreichende Größe. Intensive Kooperationen sieht Schmidt dagegen mit der Assekuranz, wobei vor allem die Töchter der Münchener Rück gemeint sein dürften. Auch operativ sei die BHV wieder voll im Markt präsent, sagte Schmidt mit Blick auf die bewältigte Fusion. Jedoch werde sich das Wachstumstempo der ersten drei Monate 2000 bis Jahresende kaum durchhalten lassen. So peilt der Konzern bis Ende 2000 eine Eigenkapitalrendite von neun (Vorjahr 4,4) Prozent an, nachdem diese Quote im ersten Quartal 2000 bereits auf 9,9 Prozent gestiegen war. 2001 stünden weitere "spürbare" Verbesserungen an.

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